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23.06.2016

Fluchtmigration – eine Herausforderung für die Stadtentwicklung

Im Rahmen der Kooperation mit der NRW.BANK findet am 23. Juni 2016 das 9. Wohnungspolitische Kolloquium an der TU Dortmund statt.

Städte bündeln lokale, nationale und globale Herausforderungen. Neue Dynamiken auf den Wohnungsmärkten, z. B. aufgrund der Fluchtmigration, zeigen dies auch in Deutschland sehr deutlich. Der Weckruf ist gewaltig: Es wird von einem „Maßstabssprung auf dem Wohnungsmarkt“ (AKNW), einem Wandel von Stadtteilen durch den Zuzug und die Integration von Flüchtlingen (MBWSV) oder gar einem „Neustart in Deutschland“ (BMUB) gesprochen. Wohnungsbauoffensiven werden verkündet. Sicher ist, dass die Zuwanderung auch unsere Städte in allen gesellschaftlichen Bereichen nachhaltig verändern wird.

Wandel und Veränderung bedingen jedoch auch Unsicherheit und Ungewissheit im Umgang mit der Dynamik und den Auswirkungen der Fluchtmigration, der sich die Kommunen seit Mitte 2015 verstärkt stellen müssen. Diese Unsicherheit stellt eine bisher kaum gekannte Herausforderung an die Handlungs- und Leistungsfähigkeit der Kommunen in der Wohnraumversorgung, Integration und Stadtentwicklung dar. Erprobte Strategien fehlen, neue kommunale Entwicklungswege müssen gesucht und gefunden werden.

Das Wohnungspolitische Kolloquium 2016 will diese komplexe, multidimensionale Problemlage aufgreifen und Handlungsoptionen für Kommunen erörtern. Referentinnen und Referenten aus Kommunen, Wissenschaft und Politik werden die Rahmenbedingungen kommunalen Handelns im Kontext von Fluchtmigration zu folgenden Fragestellungen kritisch diskutieren:

  • Wie kann in Städten mit hoher Fluchtmigration die Wohnraumbereitstellung im Sinne einer zukunftsorientierten, integrierten Stadtentwicklung gestaltet werden? Welche Elemente beinhaltet sie, welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?
  • Welche Akteure können eine aktiv gestaltete Reorganisation kommunalen Handelns in welcher Form in Gang setzen?
  • Wie kann Fluchtmigration positiv als Impuls für die Transformationsfähigkeit von Kommunen genutzt werden?

Die Veranstaltung findet im am 23. Juni 2016 ab 9.30 Uhr im Rudolf-Chaudoire-Pavillon der TU Dortmund statt.

Der Flyer mit dem Programm sowie weiteren Informationen zur Tagung kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Nachlese

Am 23. Juni lud das 9. Wohnungspolitische Kolloquium zu einer kritischen Bestandsaufnahme und Diskussion rund um das Themenfeld "Fluchtmigration – eine Herausforderung für die Stadtentwicklung" an die TU Dortmund ein.

Der Einladung folgten mehr als 100 Personen aus Wissenschaft, Kommunal- und Landespolitik sowie diverser anderer Institutionen. Besonders erfreulich war die Tatsache, dass sich viele Studierende für das Thema interessierten und am Kolloquium teilnahmen. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von der Prorektorin für Diversität der TU Dortmund, Frau Prof. Barbara Welzel.

Im Verlauf der Veranstaltung wurde schnell deutlich, dass die dringend notwendige Ausweitung des Wohnraumangebotes insbesondere in den Ballungszentren nicht ausschließlich auf die Fluchtmigration nach Deutschland zurückzuführen ist. Der neue Nachfragedruck auf den Wohnungsmärkten ist auch ein Ergebnis der weiteren positiven demografischen Entwicklungen, die in den kommenden Jahren die Nachfrage auf den Wohnungsmärkten quantitativ wie qualitativ bestimmen werden. Dabei werden die wachsenden Städte und Regionen zunehmend diverser, was komplexe Anforderungen an die Integration der NeubürgerInnen stellt und neue Akteure und Kooperationsformen in der Wohnraumversorgung und Stadtentwicklung entstehen lässt. In diesem Umfeld stellt sich die Frage nach der zukünftigen Qualität der Stadt in einem zunehmend 'hyperdiversen' Umfeld.

Eine große Herausforderung im Umgang mit der Fluchtmigration ist, wie alle Referentinnen und Referenten betonten, dass ein „Nichtwissen“ die aktuelle Situation prägt. Belastbare Empirie ist kaum vorhanden, eine Datensammlung ist schwierig, genaue Ideen zum Umgang mit der Fluchtmigration sind bisher kaum vorhanden. Eine der tragenden Botschaften des Kolloquiums ist, dass in diesem Umfeld der Unsicherheit, das den Diskurs über Fluchtmigration in der Gesellschaft ideologisch auflädt, das Kennenlernen von Realitäten oberste Priorität haben muss. Dabei laufen viele Überlegungen auf Maßnahmen der Kommunikation und Kooperation hinaus: mehr Praxisforschung in der Wissenschaft, Regionalkonferenzen in der Kommunal- und Landespolitik, neue Partizipationsmodelle, eine enge Kooperation der Behörden untereinander. Neben oftmals formulierten Wunschlisten müssen dabei jedoch auch konkrete Ergebnisse geliefert werden.

Das Kolloquium gab wichtige Anregungen und Hinweise aus Wissenschaft, Politik und kommunaler Praxis wie die Herausforderungen der Fluchtmigration an die Wohnraumversorgung und Stadtentwicklung als Chance begriffen und zukunftsorientiert bewältigt werden können. In diesem Sinne war das gemeinsame Nachdenken im Rahmen des diesjährigen Kolloquiums ein Beitrag zur städtischen Zukunftsgestaltung. Die größte Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Konkrete, längerfristige Perspektiven müssen sich erfolgreich in der Praxis beweisen, sie dürfen nicht dem Tagesgeschehen hinterherlaufen.

Zuerst erschienen in RPnews 43