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Raumbezogene Risiko- und Klimafolgenforschung

Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel (2008- 2009)

Der Klimawandel stellt die räumliche Planung vor neue Herausforderungen. Die Anpassung der Raumstruktur an den Klimawandel ist ein wesentliches Element der nachhaltigen Raumentwicklung. Es gilt hier dringend geeignete planerischen Handlungsgrundlagen und Instrumente zu entwickeln und sie in Raumentwicklungsstrategien zur Anpassung an den Klimawandel einzubinden. In der Vorstudie soll zu diesem Zweck eine Ausschreibung für gezielte Modellvorhaben der Raumordnung – MORO vorbereitet werden.

Es handelt sich um eine Studie im Auftrag des BMVBS/BBR. Die Internetpräsenz des BBR zu diesem Thema finden sie hier.

Anlass/Ausgangslage des Projekts

Das Thema „Klimawandel“ hat in den vergangenen Monaten eine bedeutende Aufwertung erhalten und zieht sich nicht nur durch Diskussionen in der Wissenschaft, sondern durchdringt in großer Breite nahezu alle politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche und auch zunehmend die Raumplanung.

Hochauflösende Klimaszenarien zeigen, dass sich die Folgen des Klimawandels regional deutlich unterscheiden. So werden einzelne Regionen stärker von Naturgefahren wie Extremhochwasser, Wassermangel, urbanen Hitzeeffekten, Starkwindereignissen, Massenbewegungen (u.a. Muren, Hangrutschungen, Lawinen) oder von wirtschaftlichen Folgen durch Veränderungen in Land- und  Forstwirtschaft, Energiewirtschaft, Tourismus und Mobilität betroffen sein. Die Folgen des Klimawandels hängen jedoch nicht nur von der tatsächlich eintretenden Klimaänderung sondern ebenso von der vorausschauenden Anpassung der betroffenen Wirtschaftszweige ab. Die Anpassung von Raumnutzungen und Raumnutzungsstrukturen an die Folgen des Klimawandels ist aufgrund der Bedeutung des Klimas für die Volkswirtschaft ein wesentlicher Baustein nachhaltiger Raumentwicklungsstrategien. Hieraus entstehen neue Anforderungen an die räumliche Planung. Sie wird zukünftig vermehrt sich verschärfende Konflikte zwischen Raumansprüchen koordinieren müssen. Gleichzeitig kommt ihr die Aufgabe zu die Entwicklung einer klimaangepasste Raum- und Nutzungsstruktur anzustoßen.

Die erforderliche Anpassung und Minderung der Folgen des Klimawandels bedarf der Entwicklung mittel- und langfristig wirkender Konzepte, die (präventive) Klimaschutzmaßnahmen oder Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen umfassen.

Zielsetzung und Gegenstand des Projekts

Ziel der Studie ist die Vorbereitung von Modellvorhaben der Raumordnung für Anpassungsstrategien an die raumrelevanten Auswirkungen des Klimawandels. Dazu verfolgt die Vorstudie drei Teilziele:

a) Räumliche Typisierung von Klimaänderungen und -folgen: Ermittlung regionaler Klimawandel-Raumtypen und Zuordnung zu Klimawandel-Betroffenheits-Raumtypen zur Ermittlung „räumlicher Brennpunkte“ (Klimarisikogebiete).

b) Entwicklung spezifischer Schutzstrategien: Formulierung regionsspezifischer Schutz-, Minderungs- und Anpassungsstrategien der Regionalplanung und damit Identifizierung des raumordnerischen Handlungsbedarfes und möglicher Strategien (Klimawandel-Aktionstypen) auf der Basis einer bundesweiten Analyse bestehender raumordnerischer Instrumente und von Governance-Modellen

c) Vorbereitung regionaler Klimawandel-Modellvorhaben: Charakterisierung von Klimawandel-Beispielregionen einschließlich Vorbereitung der Modellvorhaben

Wesentlicher Bestandteil ist die Beschreibung möglicher Entwicklungspfade, des daraus resultierenden (regional-)planerischen Handlungsbedarfs sowie der Maßnahmen und Instrumente zur Bewältigung dieser Aufgaben. Besonderer Focus liegt dabei auf Anpassungsstrategien mit besonderer raumordnerischer Relevanz. Die Betrachtung konzentriert sich vor allem auf die Entwicklungen in „räumlichen Brennpunkten“, d.h. Gebieten mit besonders hohem Handlungsdruck.

Forschungskonzeption, -ansatz und -methodik

Die Vorstudie „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“ baut auf drei Säulen auf:

1. Im Rahmen einer vorgeschalteten Literaturstudie werden die bestehenden Ansätze zur Anpassung der Raumnutzung an den Klimawandel erfasst und auf ihre Übertragbarkeit auf den deutschen Raum überprüft.

2. Durch eine regionale differenzierte Betrachtung der Klimafolgen wird der Bedarf an Anpassungsmaßnahmen räumlich konkretisiert. Zentrale Aufgabe ist es dabei die Klimafolgen auf der Ebene planungsrelevanter Einheiten zu erfassen und zu bewerten. Im Zuge eines mehrstufigen Verfahrens sollen zunächst Klimawandel-Regionstypen (KWRT) bestimmt werden, aus denen im weiteren  Klimawandel-Betroffenheits-Raumtypen (KWBRT) abgeleitet werden. Aus diesem Pool sollen Klimawandelbeispielsregionen (KWBR) bestimmt werden, deren genauere Analyse in späteren Modellvorhaben der Raumordnung besonders vielversprechend ist.

3. Auf Basis einer Analyse bestehender formeller und informeller raumordnerischer Instrumente wird die Notwendigkeit zur Weiter- und Neuentwicklung planerischer Instrumente erfasst. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Potentialen bestehender Risk-Governance-Modelle zur Entwicklung räumlicher Klimawandel-Strategien.

Forschungsleitfragen

Mit ihrem dreigliedrigen Ansatz soll die Vorstudie die – zumindest in Deutschland – bestehende Lücke im Überschneidungsbereich zwischen Forschung und Praxis schließen. Im Zuge der Untersuchung sollen dafür folgende Fragen beantwortet werden:

-  Welche Auswirkungen und Anpassungserfordernisse des Klimawandels gewinnen eine besondere raumordnerische Relevanz? Welche regionalen Beispiele gibt es hierfür?

-  Wie wirkt sich der Klimawandel auf welche Landschaftstypen aus?

-  Wie lassen sich Schwerpunkte (sektoral, räumlich) raumordnerischer Handlungskompetenz identifizieren? Wo bedürfen sektorale Anpassungsstrategien einer spezifischen Flächenvorsorge? Welche neuen Nutzungskonflikte können entstehen?

-  Wie lassen sich die Unsicherheitsbandbreiten der zukünftigen Klimaentwicklung handhaben?

-  Welches Aufgabenspektrum von (Stadt-)Regionen und der Regionalplanung zur Formulierung von Schutz-, Minderungs- und Anpassungsstrategien lässt sich beschreiben und in der Bedeutung gewichten?

-  Wie können (regionale) Abstimmungs- und Koordinationsprozesse gestaltet werden? Wie kann ein Interessensausgleich geschaffen werden? Wie sind (regionale) Kooperationsprozesse für Anpassungsstrategien zu organisieren?

-  Inwieweit können Modellvorhaben zum Klimaschutz zur Umsetzung des Leitbild 3 der Raumentwicklung beitragen? Können sie dabei eine besondere Steuerungswirkung entfalten?

Ansprechpartner: Dr. rer. pol. Mark Fleischhauer, Prof. Dr.-Ing. Stefan Greiving, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dietwald Gruehn, Dipl.-Ing. Sven Rannow, Dr. Fabian Dosch

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