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Lehrveranstaltungen |
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Prüfungsfach "Planungs- und Entscheidungstheorie und -technik":
Wissenschaftstheorie für RaumplanerInnen
Hermann Bömer (PÖK), Klaus Kock (Sozialforschungsstelle), Johannes Lückenkötter (SPRING)
Ort: Raum 517, GB 3 Zeit: Freitags, 10.15-11.45
Beginn: 17.04.2009
Wissenschaftstheorie für Raumplaner/innen? Wer auch immer
mit Wissenschaft umgeht, sollte sich Rechenschaft ablegen über
Möglichkeiten und Grenzen dieser besonderen Art des Wissens. Dies gilt
insbesondere für ein interdisziplinär angelegtes Fach wie die
Raumplanung. Das Seminar richtet sich daher sowohl an Studierende, die
als künftige Planer/innen wissenschaftliche Erkenntnisse auf
praktische Fragestellungen anwenden wollen, als auch an Studierende,
die als künftige Wissenschaftler/innen selbst in Forschung und Lehre
tätig werden wollen. Lernziele: Erstens sollen
Kenntnisse vermittelt werden über zentrale Themen und Ergebnisse der
Wissenschaftsforschung. Angefangen von der Entstehung
wissenschaftlichen Denkens im antiken Griechenland über die
wissenschaftliche Revolution in der Renaissance bis hin zur (post-)
modernen Philosophie soll die Entwicklung der Wissenschaft und des
Nachdenkens über Wissenschaft nachvollzogen werden. Zweitens soll der
Stellenwert wissenschaftlicher Erkenntnisse in einer sich wandelnden
Gesellschaft analysiert werden. Es soll Problembewusstsein geweckt
werden im Hinblick auf die Eigenart wissenschaftlicher Arbeit, ihre
Potenziale und ihre Grenzen. Es soll danach gefragt werden, in welchem
Verhältnis wissenschaftliches Wissen zum (impliziten) Alltagswissen
steht und welche Konsequenzen sich daraus für eine wissenschaftlich
geleitete Praxis der Planung ergeben. Drittens soll der Zusammenhang
allgemeiner wissenschaftlicher Erkenntnis mit der Entwicklung
verschiedener Raumkonzepte thematisiert werden. Auf diese Weise soll
deutlich werden, dass Raumplanung auf allgemeinen
naturwissenschaftlichen, philosophischen, historischen und
soziologischen Erkenntnissen über die Versteh- und Gestaltbarkeit von
Natur und Gesellschaft beruht. Neben Literatur aus Philosophie und
Wissenschaftstheorie werden auch historische und soziologische
Fallstudien aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen behandelt.
Anhand aktueller Beispiele aus der Tagespresse wird über den
Stellenwert von Wissenschaft in der heutigen „Wissensgesellschaft“
diskutiert. Es wird
erwartet, dass sich die Studierenden mit Referaten und Kurzbeiträgen
aktiv am Seminar beteiligen. Seminarplan 1. 17.4.
Einführung in das Thema 2. 24.4.
Anfänge der Wissenschaft und antikes Raumverständnis 3. 8.05.
Induktive Erkenntnis 4. 15.5.
Deduktive Erkenntnis und Falsifikation 5. 22.5.
Textstudium 6. 29.5.
Theorieentwicklung als strukturierter Prozess 7. 29.5. Die
wissenschaftliche Revolution der Renaissance 8. 5.06.
Dreidimensionales Raumverständnis 9. 12.6.
Wissenschaftssoziologie, Konstruktivismus, Laborstudien 10. 19.6.
Relativistisches Raumverständnis 11. 26.6
Kurzreferate „Erklärung“ 12. 3.07.
Kurzreferate „Prognose“ 13. 10.7.
Kurzreferate „Planung“ 14. 17.7.
Alternativen zur wissenschaftlichen Planung? 15. 24.7.
Puffertermin Literatur Chalmers, Alan
F.: Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie; 6.
Auflage; Berlin 2007 Ritsert,
Jürgen: Einführung in die Logik der Sozialwissenschaften; 2. Auflage;
Münster 2003 Seiffert,
Helmut/ Radnitzky, Gerard (Hg.): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie;
München 1992 Eine
ausführliche Literaturliste wird zu Beginn des Seminars verteilt.
Planungs- und Strukturpolitik in Dortmund und im Ruhrgebiet nach 1945
Hermann Bömer (PÖK), Klaus Kock (Sozialforschungsstelle)
Ort: Raum 310, GB 3 Zeit: Mittwoch, 12.15-13.45
Beginn: 16.04.2008
Lernziele
In den 50er und 60er Jahren noch das Zentrum der europäischen Schwerindustrie schlechthin – wird das Ruhrgebiet im Jahre 2010 Europäische Kulturhauptstadt, ein rasanter Wandel, den wir zu erklären versuchen, wobei uns natürlich insbesondere die Rolle der Raumplanungs- und Strukturpolitik interessiert. Welche Ziele wurden im Zuge der Wiederaufbaupolitik in den 50er Jahren avisiert? Wie sind die Regierungen in Brüssel, Bonn, Düsseldorf, im Ruhrgebiet und in Dortmund mit der ersten schweren Strukturkrise der Montanwirtschaft in den 60er Jahren umgegangen? Welche Schwerpunkte hatte die Modernisierungspolitik ab Ende der 60er Jahre unter der Hegemonie der neuen sozialdemokratisch geführten Regierungen in Bonn und Düsseldorf? Welche Reaktionen haben die ersten beiden Energiekrisen 1973 und 1979/80 ausgelöst? Mit welchen Methoden wurden in den 80er Jahren neue High-Tech-Zweige generiert und die Tertiärisierung beschleunigt? Wie wurde in den 90er Jahren mit der montanindustriellen Hinterlassenschaft umgegangen und wie wurden neue Identifikationsdenkmäler geschaffen? Wie wurde die Nachhaltigkeitsdebatte aufgenommen? Kann die clusterorientierte Modernisierungspolitik des Landes und der Stadt die enormen arbeitsmarktpolitischen und sozialen Probleme lindern? Welche relativ eigenständige Rolle spielt die Arbeitsmarkt-, Qualifizierungs- und Sozialpolitik bei der Bewältigung der Arbeitslosigkeit und Armut in der Region? Welche Chancen bestehen für diese Politikfelder auf der kommunalen Ebene (Dortmund: Sozialstrukturatlas, Studie zur Bildungssituation, zu den prekären Arbeitsverhältnissen; dortmund project)?
Die den geschichtlichen Erscheinungsformen zu Grunde liegende Ausgangsthese lautet, dass für große Krisenregionen und Städte wie das Ruhrgebiet und Dortmund selbst die modernste regionale Strukturpolitik nicht in der Lage ist, die Disparitäten spürbar zu reduzieren, wenn sie nicht von einer starken nationalstaatlichen und europäischen Wirtschafts-, Regional- Sozial- und Umweltpolitik (kurz: Kohäsionspolitik) zugunsten dieser Regionen begleitet wird (Mehrebenenpolitik). Es soll versucht werden, die Bedeutung der jeweiligen Politikebenen, ihrer Akteure und ihrer Budget- und Planungspolitik auszuloten und Anschluß an die Diskussion von Alternativkonzeptionen in der Regional- und Stadtentwicklungspolitik zu finden.
16.04.08 (a) Einführung in die Seminarthemen. (b) Nationale und regionale Disparitäten in der Bundesrepublik - Die Rangstellung des Ruhrgebiets und Dormunds – Disparitäten in Dortmund
(23.04. 08) (a) Ziele im Zuge der Wiederaufbaupolitik in den 50er Jahren (Siedlungsstruktur, Industriestandorte, Verkehrssysteme);
(b) Wiederaufbauplanung in Dortmund 1945-1960; Innenstadt, Bundesgartenschau, Tierpark usw.
(30.04. 08) Wie ist man in Bonn, Düsseldorf, im Ruhrgebiet und in Dortmund mit der ersten schweren Strukturkrise der Montanwirtschaft in den 60er Jahren umgegangen? Bildung der Ruhrkohle AG; Fusion der Hoesch AG mit der Dortmunder Hörder Hüttenunion; Integration von Autobahnplanung und Hoesch-Werkslogistik
(7.05.08) (a) Welche Schwerpunkte hatte die Modernisierungspolitik ab Ende der 60er Jahre unter der Hegemonie der neuen sozialdemokratisch geführten Regierungen in Bonn und Düsseldorf? Hochschulgründungen, Expansion des Schulwesens, Regionalisierung der Verkehrsinfrastruktur (S-und Stadtbahnen, Autobahnen),
(b) Raumplanung in den 70erJahren: Gebietsentwicklungsplan regionale Infrastruktur, Siedlungschwerpunktekonzept; Flächennutzungsplan 1985 (Dortmund)
(21.05.08) (a) Welche Reaktionen haben die ersten beiden Energiekrisen 1973 und 1979/80 ausgelöst? (Jahrhundertvertrag; Großfeuerungsanlagenverordnung; Energiesparprogramme; Energieszenariendiskussion (Enquete- Kommission Energiepolitik des Bundestages (1979ff).
(b) Mit welchen Methoden wurden in den 80er Jahren neue High-Tech-Zweige generiert und die Tertiärisierung beschleunigt?
(28.05.08) Moderne Konzepte der regionalen Strukturpolitik (Systemische Wettbewerbsfähigkeit [Voelzkow]; Clusterpolitik [Kilper/Rhefeld, ISA-Consult]; Exportbasis-Konzept [Bade, IBA-Memoradum III]; Endogene Regionalpolitik und Agenda 21
(4.06.08) Wie wurde in den 90er Jahren mit der montanindustriellen Hinterlassenschaft umgegangen und neue Identifikationsdenkmäler geschaffen? Wie wurde die Nachhaltigkeitsdebatte aufgenommen? (IBA und IBA-Nachfolge- Institutionen: Projekt-Ruhr; Regionalverband Ruhrgebiet; wirtschaftsförderung metropoleruhr gmbh); IBA-Projekte in Dortmund
(11.06.08) Neue Kooperationsformen im Ruhrgebiet: RVR, Städteregion 2030, wirtschaftsförderung metropoleruhr, Masterplan Emscherlandschaftsplan 2010
(18.06.08) Konjunktur, Wirtschaft- und Arbeitsmarktpolitik (insbes. Hartz) – wie ist der Niedriglohnsektor entstanden und welche Rolle spielt er im Ruhrgebiet und in Dortmund?
(25.06.08) Kann die clusterorientierte Modernisierungspolitik des Landes und der Stadt die enormen arbeitsmarktpolitischen und sozialen Probleme lindern? Dortmund-Projekt und Projekt Ruhr GmbH; „Initiative Soziale Stadt“ – ernsthaftes Projekt oder Alibiveranstaltung?
(02.07.08) Kulturwirtschaft im Ruhrgebiet und Ruhr 2010 – Motor zur Erneuerung der Region? Kulturpolitik in Dortmund
(9.07.08) Ein alternatives Projekt: Makroökonomische Implementierung nachhaltiger Regionalentwicklung und die wesentlichen Blockaden; Seminarabschlussdiskussion
(16.07.08) Puffertermin
Wahlthemen:
-Die 1990er Großfusionen der Ruhrgebietskonzerne und ihre regionalen Auswirkungen (VEBA-VIAG zur eon; Thyssen-Krupp-Hoesch; RWE-VEW;; Mannesmann – Vodafone)
-Metrorapid, Express-S-Bahn, ICE- light? Phantastische und realistische Konzepte zur Stärkung der Metropolregion Rhein-Ruhr
-Schoppingmalls der 2. Generation
-Megaevents als Instrumente der Strukturpolitik: WM-2006; Triennale; Europäische Kulturhauptstadt, Olympiabewerbung
-Bergbau- und Energiepolitik bis 2020
-Der Verkauf großer Wohnungsbestände an Private Equity Fonds
(Verlust von) Steuerungsmöglichkeiten in Zeiten der Deregulierung
(P & E IV)
Ruth Becker (FWR)/ Hermann Bömer (PÖK)
Mittwochs, 10 – 12 Uhr, GBI, Raum 410
Beginn: 04.04.2007
„Deregulierung“, d.h. die Reduzierung des Einflusses der öffentlichen
Hand auf spezifische Märkte durch die Liberalisierung gesetzlicher
Vorschriften, aber auch durch die „Privatisierung“ öffentlicher
Unternehmen hat in der Bundesrepublik Deutschland eine lange
Tradition. Das gilt auch im Bereich der räumlichen Planung und den
hier relevanten Märkten. Ehemals staatsmonopolistisch organisierte
Märkte (Bahn, Post, Telekommunikation) sind bereits (weitgehend)
liberalisiert, ehemalige staatliche Unternehmen sind in
Privatunternehmen umgewandet. Der Einfluss kommunaler Unternehmen
(z.B. im Bereich der Stromversorgung) ist deutlich reduziert worden.
Seit einiger Zeit ist eine solche Entwicklung auch im Bereich der
Wohnungswirtschaft verstärkt zu beobachten: Ehemals staatliche und
kommunale Wohnungsunternehmen werden von der öffentlichen Hand an
private Investoren verkauft, wobei als Käufer vorwiegend neue Akteure
des Finanzmarkts auftreten, die im Zuge der zunehmenden
Finanzkapitalisierung des modernen kapitalistischen Wirtschaftssystems
generiert werden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen hier Private
Equity Fonds (PEF) bzw. Real Estate Investment Fonds (REITS), die eine
vielfach als besonders aggressiv kritisierte Unternehmensstrategie
verfolgen („Heuschrecken).
In dem Seminar sollen die Hintergründe und Folgen dieser
Deregulierungspolitik für die räumliche Planung diskutiert werden.
Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Beispiel staatlicher und
kommunaler Wohnungsunternehmen (z.B. LEG NRW, Dresden u.a.), wobei
jedoch auch die Kontextbedingungen (Entwicklung der Finanzmärkte,
(De-) Regulierungspolitik der EU, Deregulierungsmaßnahmen der Landes
NRW) zur Sprache kommen sollen.
Vorgesehene Themen:
04.04.07:
Einordnung in das Fach Planungs- und Entscheidungstheorie, Erläuterung der Seminarthemen, Vergabe von Referaten
11.4. 07 – 25.4. 07: Theoretische Grundlagen
a) Wohnungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland als: kontinuierlicher Prozess der Deregulierung
b) Deregulierung als politisches Prinzip: Regulationstheorie und Neoliberalismus
c) Gesamtwirtschaftliche Gründe für den Bedeutungszuwachs der Finanzinvestoren und des internationalen Finanzkapitals
02.05.07 – 9.5. 07: Akteure im Wohnungsbereich
a) Unternehmens- und Eigentumsstrukturen in der Wohnungswirtschaft: Privater, gemeinwirtschaftlicher und öffentlicher Sektor.
b) Instrumente/Akteure des Finanzmarkts im Bereich der Immobilienwirtschaft: Geschlossene und Offene Immobilienfonds, Private Equity Fonds und REITS, Bisherige Privatisierungen im Bereich der Wohnungswirtschaft – ein Überblick
16..05. 07 – 20.6.07: Argumente für und gegen die Privatisierung an Hand aktueller Beispiele
a) Argumente der BefürworterInnen und GegnerInnen in unterschiedlich strukturierten Wohnungsmärkten.. Bedingungen des Verkaufs (Beispiel aus den neuen Bundesländern, aus einem angespannten und einem entspannten Wohnungsmarkt)
b) Die Privatisierung der LEG: Argumente der BefürworterInnen und GegnerInnen, (Gastvorträge)
c) Formen des Widerstands
d) Zusammenfassung der Fachdiskussion, empirische Studien, Zwischenfazit
27.6. 07:
Deregulierungspolitik der EU, weitere Deregulierungspläne in NRW
4. 7. 07:
Perspektiven einer Re-Regulierung: wo sollten Kommunen und Länder ansetzen? Renaissance der Genossenschaften? Zur Rolle der NGO´s im Bereich Wohnen und Stadtentwicklung
11. 07.: Abschlussdiskussion und Seminarkritik
Hinweise: Von den Studierenden wird eine aktive Seminarteilnahme erwartet (Bereitschaft zur Übernahme eines Referats und zur vorbereitenden Lektüre von Texten). Literaturhinweise werden zu Beginn des Seminars verteilt.
Prüfungsfach "Planungs- und Entscheidungstheorie und -technik":
Erklärung - Prognose - Planung. Wissenschaftstheorie für die Raumplanung
(zusammen mit Dr. Rainer Stierand, Fachgebiet Europäische Raumplanung Universität Dortmund WS 2005/2006)
Diese Seite wurde zuletzt am 05.05.2009 (DZ) aktualisiert.