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Einleitung

Eine geschlechterdifferenzierte Planungspraxis sollte spätestens seit der Einführung des Gender Mainstreaming Standard sein. Vielfach herrscht jedoch Unklarheit, was genau Gender Planning eigentlich ist und wie es ablaufen soll. Das Thema ist zudem nach wie vor mit Vorurteilen konfrontiert, die es schwierig machen, im Planungsprozess über Geschlecht nachzudenken.

Diese Vorurteile basieren häufig auf Unwissenheit und auf einem alltagsweltlichen Verständnis von Geschlecht und Geschlechterrollen. Mit der formal-rechtlichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen, so scheint es, sind feministische Forderungen erfüllt. Dass es jedoch nach wie vor gesellschaftliche Strukturen, Leitbilder und Rollenmodelle gibt, die nicht nur (heterosexuelle) Zweigeschlechtlichkeit, sondern auch eine Hierarchie zwischen den Geschlechtern stützen, ist in den Sozialwissenschaften Konsens. In der räumlichen Planung hingegen wird der Beitrag räumlicher Strukturen zur Reproduktion von Geschlechterhierarchien häufig nicht beachtet. An der Fakultät Raumplanung wird Wissen vermittelt, weshalb und auf welche Weise geschlechtsspezifische Raumnutzungen entstehen und welchen Beitrag die Raumplanung leisten kann, Möglichkeitsräume für alle Geschlechter zu erweitern.

Informationen

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Studien und Informationen darüber, wie Geschlecht und Raumentwicklung zusammen hängen, und die auch in die Planungspraxis Eingang gefunden haben. Hier sollen beispielhaft nur zwei Informationsquellen benannt werden:

- Der Gender-Index des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bietet zum Beispiel die Möglichkeit, gleichstellungspolitische Indikatoren auf Stadt- und Landkreisebene zu vergleichen.

- Mit der Broschüre „Städtebau für Frauen und Männer“  legten das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) das Heft 44 der Schriftenreihe Werkstatt: Praxis vor. Dort wird das Vorhaben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) "Gender Mainstreaming im Städtebau" beschrieben, das u.a. Gender Indikatoren als kommunale Steuerungsinstrumente sowie die modellhafte Umsetzung von Gender Mainstreaming im Städtebau in Dessau, Pulheim und Bremen aufzeigt.

Gendergerechte Stadtentwicklung

Viele Städte haben Leitfäden für ihre Stadtentwicklung entwickelt oder Gender Planning auf andere Art und Weise in ihre Planungspraxis integriert. An dieser Stelle sei beispielhaft auf drei Städte verwiesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Dortmund

Die Stadt Dortmund hat ein Exposé zum Thema „Integration von „Gender Planning“ in die Stadtplanung – Ein Konzept zur gleichberechtigten Planung in Dortmund“ veröffentlicht, indem u. a. Umsetzungsvorschläge für Gender Planning für die Planungen der Stadt Dortmund enthalten sind.

Ebenso gibt es Leitfäden für die Realisierung von Gender Planning in verschiedenen Bereichen wie dem Ausbauplan und der Realisierung, der Bebauungsplanung und der vorbereitenden und generellen Planung. Für diese Leitfäden steht ein Kriterienkatalog zur Verfügung, der verschiedene Themenbereiche abdeckt.

Berlin

Durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und den Frauenbeirat Berlin wurde im Jahr 2011 das Handbuch "Gender Mainstreaming in der Stadtentwicklung" herausgegeben.

Wien

Auch die Stadt Wien hat ein Handbuch herausgegeben: "Gender Mainstreaming - leicht gemacht".

Im Rahmen des Gender Mainstreaming werden in Wien bereits seit dem Jahr 1998 verschiedene Pilotprojekte umgesetzt, um den Bedürfnissen und Ansprüchen unterschiedlicher sozialer Gruppen an die Wohnung, das Wohnumfeld und die Erreichbarkeit gerecht zu werden. Ein Beispiel ist der Pilotbezirk Mariahilf. Damit ist Wien eine Vorreiterin in Sachen Umsetzung von Gender Mainstreaming in der Raumplanung.

Frauenwohnprojekte

Am Fachgebiet Frauenforschung und Wohnungswesen (FWR) der Fakultät Raumplanung wurde unter Leitung von Uni Prof. Dr. Ruth Becker ein Forschungsprojekt zu Frauen- und Familiengerechtem Wohnungsbau und Gestaltungsmöglichkeiten des Wohnumfelds durchgeführt.  Viele der Maßnahmen für einen Familien- und Frauengerechten Wohnungsbau, angefangen bei Kinderwagenstellplätzen und Wohnküchen bis zur Beseitigung von Angsträumen, sollen helfen, ein Familien- und Frauenfreundlicheres Wohnumfeld zu gestalten. Information – u. a. ein Leitfaden, wie solche Projekte umgesetzt werden können – finden sich auf der Webseite des Projektes.

Gender im Berufsfeld Raumplanung

Alle zwei Jahre führt das Studien- und Projektzentrum an der Fakultät Raumplanung die AbsolventInnenbefragung durch. Die Ergebnisse der letzten Befragung finden Sie hier.

Die AbsolventInnenbefragung gibt Aufschluss z. B. über Gehaltsunterschiede zwischen Planerinnen und Planern, über ihre unterschiedlichen Arbeitsfelder, Arbeitgeber und Bewerbungsphasen. Es zeigt sich, dass – ebenso wie in anderen Berufsfeldern – die Schere mit Blick auf Karriere und Gehalt immer weiter auseinander klafft, je länger der Studienabschluss zurückliegt. Auch die Raumplanung ist eine vergeschlechtlichte Profession. Die Fakultät Raumplanung versucht, über entsprechende Inhalte geschlechtersensibler Planung bereits im Studium die Grundlagen dafür zu schaffen, dass Geschlechterhierarchien in der Planungspraxis abgebaut und Rollenstereotype aufgebrochen werden können.