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Die (Un-)Möglichkeit des Wohnens – aktuelle Herausforderungen für die Wohnungspolitik Dortmunder Wohnungspolitisches Kolloquium 2017

Das 10. Wohnungspolitische Kolloquium, das am 5. Juli 2017 zur kritischen Diskussion und Bestandsaufnahme rund um das Themenfeld „Die (Un-)Möglichkeit des Wohnens – aktuelle Herausforderungen für die Wohnungspolitik“ an die TU Dortmund einlud, setze eine langjährige Tradition der Zusammenarbeit zwischen dem IRPUD und der NRW.BANK erfolgreich fort. Mehr als 130 Personen aus Wissenschaft, Immobilienwirtschaft, Verwaltung und Politik sowie diverser anderer Institutionen folgten der Einladung. Sehr erfreulich war auch in diesem Jahr die Tatsache, dass sich viele Studierende für das Thema interessierten und am Kolloquium teilnahmen.

Die Herausforderungen an das Wohnen beschäftigen zurzeit alle. Die Perspektiven auf das Wohnen der Zukunft sind jedoch sehr unterschiedlich. Im Verlauf der Veranstaltung wur­den schnell die Gegensätze, die z.B. zwischen Zu­kunfts­for­schern und den heutigen (jun­gen) Nachfragern auf den Wohnungsmärkten herr­schen, deutlich. Während die Zukunfts­forscher einen Trend zum urbanen Kleinraum­woh­nen und zum "collaborative living" sehen und für sie "dritte Orte" außerhalb der Wohnung und des Ar­beits­platzes zunehmend wich­tiger werden, zeigen Befragungen von jungen Erwach­se­nen der Ge­ne­ration Y (18-35 Jahre), dass kaum Veränderungen im Lebensbereich Wohnen erwünscht sind.  

Wie können diese durchaus spannenden Gegensätze erklärt werden? Konsens herrschte, dass erst die Betrach­tung beider Seiten ein vollständiges Bild ergibt, das die aktuellen Ent­wicklungen an den Woh­nungs­märkten zu verstehen hilft. Die benannten Widersprüche kön­nen durchaus als ein Ausdruck von Ambivalenzen verstanden werden. Die zunehmende In­di­vi­duali­sierung bedeutet die Freiheit, das eigene Leben zu entwer­fen, aber auch den Zwang dazu. Zudem wird der permanente Imperativ zur Selbst­optimierung als sehr kräf­te­zehrend wahrge­nommen. Wan­del wird somit nicht als Ver­heißung wahrgenommen, son­dern vielmehr als Bedrohung. Diese Wahrnehmung fließt dann auch in die Wohnwünsche der Nachfrager ein, die sich in der Regel kaum von denen der Eltern unterscheiden.

Konkret wurde es mit dem studentischen Bloon-Projekt der FH Bochum, das visionär zeig­te, wie das studentische Wohnen der Zu­kunft aussehen könnte. Große transparente „Wohn­blasen“, die z. B. in engen Baulücken platziert werden und mit wenig mehr als einem Bett ausgestat­tet sind, könnten nach Vorstellung ihrer Initiatoren einen Teil des Bedarfs an temporä­rem studentischem Woh­nen decken. Bezahlt wird mit Daten, d.h. mit auf dem Handy des jeweiligen Bewohners fest­ge­hal­tenen Momenten (Pay With Your Moments/PWYM), die auf die Innenwand des Bal­lons projiziert werden.

Natürlich wurden auch die aktuellen Entwicklungen und Probleme von Immobilienmärkten betrachtet. Wie können Grund und Boden den Spekulation entzogen werden, wie kann das gemeinnützige Wohnen stärker gefördert, wie kann mehr für den Mieterschutz getan werden? Auf diese Fragen konnten erwartungsgemäß keine abschließenden Antworten ge­funden werden. Das Kolloquium gab jedoch wichtige Anregungen aus Wissenschaft, Politik und kommunaler Praxis wie diese Fragen ‚angepackt‘ werden sollten und das Wohnen der Zukunft aussehen könnte. 

Im kommenden Jahr 2018 wird das Wohnungspolitische Kolloquium in sein 11. Jahr gehen und erneut aktuelle Themen des Wohnens kritisch zur Diskussion stellen. Die Vorbereitun­gen laufen…

Kontakt: Dr. Thorsten Heitkamp, Dr. Anja Szypulski