Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

Studienjahr 2016/2017

A 07 Kleines Land – was nun? Über Realitätssinn und Raumverträglichkeit luxemburger Wachstumsziele

Das Großherzogtum Luxemburg ist, abgesehen von der Inselrepublik Malta, der kleinste Flächenstaat Europas. Es ist etwa so groß wie das angrenzende Saarland, seine Bevölkerung ist mit rund 575.000 Einwohnern (davon rund 115.000 in der Hauptstadt Luxemburg) allerdings deutlich kleiner. Einschlägige ökonomische Indikatoren (BIP, Pro-Kopf-Einkommen und Vermögen) weisen Luxemburg im internationalen Vergleich als eines der reichsten Länder überhaupt aus. Der Wohlstand gründete zunächst auf der Montanindustrie (Luxemburg verfügt über Erzvorkommen), im Zuge des in der zweiten Hälfte des 20. Jh. einsetzenden Strukturwandels hat der tertiäre Sektor überragende Bedeutung erlangt. Versicherungen, Banken und sonstige Finanzdienstleister prägen heute die luxemburgische Wirtschaft. Zudem ist das Großherzogtum, das von Beginn an am europäischen Einigungsprozess mitgewirkt hat, Sitz bedeutender europäischer Einrichtungen wie des Europäischen Gerichtshofs und des Europäischen Rechnungshofs.
Auch zukünftig soll, so die nahezu einhellige Auffassung in der luxemburgischen Politik, die Entwicklung des Landes durch ein kräftiges Wirtschaftswachstum getragen werden. Doch wirft dieser Pfad weitreichende Fragen auf. Bevölkerungsprognosen sagen eine Verdopplung der Einwohnerzahl auf knapp 1,2 Mio. in den kommenden 45 Jahren voraus. Einwanderung erscheint notwendig, um die Sozialsysteme – v.a. das wie in Deutschland umlagebasierte Rentensystem – in einer alternden Gesellschaft tragfähig zu halten. Doch sind in Luxemburg nicht nur die Löhne und Gehälter, sondern auch die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu den Nachbarstaaten erhöht. Aus diesem Grund pendelt schon heute etwa die Hälfte der im Großherzogtum tätigen Arbeitnehmer aus Frankreich, Belgien und Deutschland ein. Werden also tatsächlich derart viele Menschen nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihren Wohnort nach Luxemburg verlegen? Und wenn ja, wie werden die räumlichen Auswirkungen aussehen? Wie werden sich die Verkehrsströme gestalten? Wo soll das nötige Bauland ausgewiesen werden und was muss der Siedlungsentwicklung weichen?Was bedeutet das Wachstum für die Ökosystemeund die Wasserversorgung?Was bedeutet es für diegesellschaftlicheund wirtschaftliche Entwicklung Luxemburgs?Verfügt das Land über die notwendigen Institutionen, um all diese Herausforderungen zu bewältigen?
Das A-Projekt bietet den Studierenden die Chance, sich in einem vergleichsweise übersichtlichen Untersuchungsgebiet mit der aktuell vielfach geführten Wachstumsdiskussion und insbesondere mit deren räumlicher Dimension auseinanderzusetzen.

A 08 Raumplanung und Rassismus

Was hat Raumplanung mit Rassismus zu tun? Auf den ersten Blick scheint diese Frage befremdlich, denn die meisten Planer_innen verstehen ihr Handeln als gemeinwohlorientiert und verfolgen keineswegs rassistische Absichten. Nach einem Blick in die Geschichte erscheint die Frage allerdings gar nicht mehr so abwegig: In der Vergangenheit waren Raumordnung, Bodenpolitik und Stadtplanung immer wieder wichtige Instrumente zur Durchsetzung rassistischer Politik, um Bevölkerungsgruppen zu trennen, zu diskriminieren oder zu privilegieren. Beispiele hierfür sind der Nationalsozialismus in Deutschland, das System der Apartheid in Südafrika oder die Politik der Rassentrennung in den USA. Und auch heute ist Rassismus in der Planung noch ein Thema, z. B. wenn es um Migration, Segregation, nachhaltige oder gerechte Stadtentwicklung geht. Dabei haben sich die Mechanismen des Rassismus offenbar ausdifferenziert: Von einigen rechten Gruppierungen abgesehen, ist offene rassistische Diskriminierung in der Planung eher eine Ausnahme. Hingegen scheinen es unausgesprochene, unhinterfragte oder zum Teil auch unbewusste Vorannahmen und Vorurteile zu sein, die rassistische Privilegien und Diskriminierungen in Plänen, Regelwerken und Leitbildern festschreiben und reproduzieren.
Das Projekt A08 hat das Ziel, die eingangs gestellte Frage mit Blick auf die gegenwärtige Raumplanung in Deutschland bzw. einen selbst gewählten Ausschnitt daraus zu beantworten. Dies erfordert im Wintersemester eine eingehende Auseinandersetzung mit Theorien und Strukturen des Rassismus sowie mit der Art und Weise, wie sich diese Ideologie in der Vergangenheit in der Raumplanung manifestiert hat: Welche planerischen Konzepte, Mechanismen und Instrumente haben geholfen, rassistische Gesellschaftspolitik durchzusetzen? Grundlage stellt eine umfangreiche Literaturarbeit dar, die auch die Lektüre englischsprachiger Texte umfasst. Im Sommersemester untersucht das Projekt anhand eines oder mehrerer selbst gewählter Planungsbeispiele, inwiefern sich heute noch – oder wieder – ähnliche Konzepte, Strukturen und Mechanismen in Deutschland finden lassen. Hierbei können Interviews mit Expert_innen und Planungsbetroffenen, teilnehmende Beobachtung und andere Methoden qualitativer Sozialforschung zum Einsatz kommen, die in der Vorlesung zu Modul 9 begleitend erläutert werden.
Teilnehmer_innen sollten Interesse an gesellschaftspolitischen Fragen und an der Rolle von Raumplanung zur Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele haben.
Eine längere Exkursion ist nicht vorgesehen. Im Laufe des Projektes sollen aber Anti-Rassismus-Initiativen im Ruhrgebiet besucht werden.

M 02 Planung neu ausrichten – Umgang mit illegalen Bautätigkeiten in Griechenland

Illegale Siedlungen gehören in Griechenland fast schon zur Tradition. Man kennt sie aus dem Urlaub. Kaum fertig gestellte Gebäudegruppen, die an unterschiedlichsten Orten und Lagen erbaut sind und teilweise den Eindruck erwecken, als sei hier schon lange nichts mehr passiert. Eine gesetzliche Grundlage für diese Bautätigkeiten gibt es nicht. Sobald die illegalen Gebäude erbaut sind, übernimmt die Stadt oder Gemeinde dessen ungeachtet die Verantwortung diese mit Strom und Wasser zu versorgen. Gegenwärtig, bedingt durch die finanzielle Notlage Griechenlands, dehnen sich diese Areale nicht weiter aus. Diese Situation ermöglicht es das dortige Planungssystem und die rechtlichen Regularien grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen.
Wie kann es zu solchen Siedlungen kommen? Welche Anreize führen dazu, regelmäßig illegale Siedlungen entstehen zu lassen? Kann (Planungs-)Recht hier überhaupt etwas ausrichten? Diese Fragen stellen nur einen Ausschnitt des im Projekt möglicherweise zu behandelnden Fragenspektrums dar. Bei der Beantwortung der Fragen sind vor allem Impulse aus anderen europäischen Ländern mitzudenken. Kann hier z.B. das deutsche Planungsrecht Anregungen geben oder das spanische Planungsrecht aufgrund einer ähnlichen Gemengelage als Impulsgeber herangezogen werden?
Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag zum Stopp der illegalen Bebauung und zur Legalisierung bereits vorhandener Bebauung in Griechenland zu leisten.
Eine Exkursion nach Griechenland findet in der Exkursionswoche (21.11-25.11.2016) statt. Die Kosten für die Exkursion sind selbst zu tragen.