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Die Übersetzung städtischer Infrastrukturideale und Planungsmodelle

 

Die Übersetzung städtischer Infrastrukturideale und Planungsmodelle: Anpassung und Kreativität in Wasserver- und Abwasserentsorgungssystemen afrikanischer Städte

Laufzeit: 2013 bis 2015

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Bearbeitung:  Univ.-Prof'in Dr.-Ing. S. Baumgart, Dr.-Ing. W. Scholz 

 

Kurzfassung:

Das Forschungsprojekt untersucht die Übersetzung zirkulierender Infrastrukturideale und Planungsmodelle in Dar es Salaam (Tansania), Accra (Ghana) und Nairobi (Kenia) und ihren Einfluss auf die stadtspezifischen Wasser- und Abwasserinfrastrukturregime.

Jede dieser Städte weist eigene Morphologien und sozio-technische Arrangements der Wasserver- und Abwasserentsorgung auf, die sich grundlegend von denjenigen des globalen Nordens unterscheiden. Gleichzeitig beruhen formelle Institutionen, gesetzliche Grundlagen, Planungspolitiken und -strategien auf Konzepten und Bedeutungszuschreibungen des „modernen Infrastrukturideals“, der „vernetzten Stadt“ bzw. der „sanitären Stadt“. Diese zirkulierenden Ideale und Modelle liegen dem Aufbau der Städte Europas und Nordamerikas zugrunde und repräsentieren spezifische Vorstellungen der Infrastrukturversorgung. Hierzu zählen eine zentralisierte Technikstruktur, die Bereitstellung standardisierter und flächendeckender Dienstleistungen durch städtische Versorgungsunternehmen sowie eine integrierte städtische Gesamtplanung. Diese Voraussetzungen sind jedoch in keiner der drei Untersuchungsstädte gegeben. Ausgehend von diesem Widerspruch wird das Forschungsvorhaben durch die folgenden Hypothesen geleitet:

1) Um den stadtspezifischen Kontexten und lokalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, werden Ideale und Modelle der „westlichen“ Stadt- und Infrastrukturplanung angepasst, angeeignet, hybridisiert, abgewiesen oder verworfen, und es entstehen raumspezifischen Infrastrukturregime.

2) Diese Regime sind durch fragmentierte Stadtlandschaften und heterogene Formen der Selbstorganisation gekennzeichnet, welche die netzgebundene Versorgung durch öffentliche, staatlich regulierte Unternehmen ergänzen und teilweise ersetzen.

3) Diese Arrangements können kreativ zur Bewältigung städtischer Infrastrukturprobleme, jedoch zugleich zur Verstärkung sozialräumlicher Ungleichheiten in Städten beitragen.

4) Debatten (zur Reform der) afrikanischen Stadt- und Infrastrukturplanung müssen systematischer auf diese hybriden Infrastrukturregime eingehen. Durch die Überprüfung der Hypothesen in Dar es Salaam und den Referenzstädten Accra und Nairobi liefert das Forschungsvorhaben wichtige Erkenntnisse zu Infrastrukturregimen afrikanischer Städte. Hiermit wird ein Beitrag geleistet, den „westlichen“ Bias der Planungstheorie und städtischen Infrastrukturforschung zu überwinden. Zugleich erweitert das Vorhaben aus Perspektive städtischer Infrastrukturen das Wissen zu Prozessen der Aneignung, Anpassung, Hybridisierung, Abweisung und Verwerfung von zirkulierenden Infrastrukturidealen und Planungsmodellen in afrikanischen Städten.
Das Projekt wird gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Jochen Monstadt, Technische Universität Darmstadt, Institut IWAR, Fachgebiet Raum- und Infrastrukturplanung durchgeführt.

 

Weitere Informationen bei:

Univ.-Prof'in Dr.-Ing. Sabine Baumgart

Dr.-Ing. W. Scholz