Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

Bierbaum, Claudia (2004): Regionales Gewerbeflächenmanagement

Name: Bierbaum, Claudia

Titel: Regionales Gewerbeflächenmanagements Potentialermittlung und Umsetzungskozept für regional bedeutsame Gewerbestandorte entlang von Autobahnen in der Region Mittlerer Oberrhein

Jahr: 2004

BetreuerInnen: Univ.-Prof´in Dr.-Ing. Sabine Baumgart , Univ.-Prof. Dr. Volker Kreibich M.A.(GEO/SPRING)

Themenfeld: Arbeiten und Gewerbe in der Stadtregion

Kurzfassung:

  • Problemstellung und Zielsetzung

Der zunehmende Flächenverbrauch von Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland ist in der Planung eine anerkannte Problematik. Insbesondere die Ausweisungspolitik bei Gewerbeflächen orientiert sich mehr an wirtschaftspolitischen Interessen und weniger an planerischen Leitvorstellungen. Es fehlen oft geeignete Konzepte zur Standortfestlegung von Gewerbeflächen. Ein langfristiges Konzept, das die Gewerbeentwicklung nicht angebotsorientiert, sondern nachfrage- bzw. bedarfsorientiert steuert, kann hier einen Ansatzpunkt für eine zukunftsorientierte Entwicklung bieten. Sinnvoller Weise sollte hierbei der Fokus nicht die Gemeinde, sondern die Region sein. Gerade größere, regional bedeutsame Gewerbegebietsausweisungen sollten nicht auf lokal ausgerichtete Suchräume begrenzt sein, sondern auch die regionalen Anforderungen und Standortfaktoren berücksichtigen, um eine ausgewogene Gewerbeflächenentwicklung zu ermöglichen und die Konkurrenz bei der Gewerbeflächenneuausweisung unter den Gemeinden zu vermindern sowie kooperative Ansätze zu fördern. Dazu wird in der Untersuchungsregion Mittlerer Oberrhein zunächst das vorhandene Standortpotenzial untersucht. Diese Untersuchung konzentriert sich auf regional bedeutsame, autobahnaffine Nutzungsanforderungen, da vor allem auf diese Flächen ein hoher Entwicklungsdruck ausgeübt wird und die Flächeninanspruchnahme für derartige Nutzungen besonders hoch ist. Des Weiteren werden die ermittelten Flächen mit ausgewählten Bausteinen des regionalen Gewerbeflächenmanagements umgesetzt. Das Oberziel ist die Steuerung der Gewerbeflächenentwicklung auf regionaler Ebene und eine dadurch bedingte Reduzierung der Flächeninanspruchnahme für gewerbliche Zwecke der untersuchten Art.

  • Die Region Mittlerer Oberrhein

Die Region Mittlerer Oberrhein ist eine wirtschaftlich prosperierende Region im westlichen Baden-Württemberg. Mit dem dort vorherrschenden dynamischen Wachstum von Bevölkerung und Siedlungs- und Verkehrsfläche, vor allem entlang der Autobahnen BAB 5 und BAB 8, besteht ein besonderer Druck auf autobahnnahe Gewerbegebiete mit großflächig verfügbaren Standorten. Des Weiteren ergab eine Bedarfsuntersuchung einen weiterhin vorhandenen Bedarf für eine gewerbliche Flächenentwicklung.

  • Potenzialanalyse

Zur Potenzialermittlung wird auf ein digitales Potenzialmodell zurückgegriffen, das auf Basis verschiedener, miteinander kombinierter Entscheidungs- und Bewertungsmethoden die gesamte Region bezüglich der Fragestellung analysiert. Das Modell ist in sechs aufeinander aufbauenden Schritten eingeteilt. Der erste Schritt definiert absolute Eignungskriterien, die ein regional bedeutsamer, autobahnaffiner Standort verbindlich aufweisen muss. Flächen, die nicht die absoluten Eignungskriterien erfüllen bzw. als Restriktion ermittelt werden, werden von der weiteren Analyse ausgeschlossen. In Schritt drei werden die somit verbliebenen Flächen einer relativen Eignungsanalyse unterzogen. Diese ermittelt auf Basis klassifizierbarer Kriterien vier unterschiedliche Eignungsklassen. Im vierten Schritt werden ebenfalls klassifizierbare Konfliktkriterien angewandt. Konflikte sind bestehende Ausweisungen oder Nutzungen, die eine Gewerbenutzung nicht grundsätzlich verhindern, die aber der Abwägung unterliegen. Je mehr Lagen es gibt, desto höher ist das Konfliktpotenzial, das in vier Konfliktklassen eingeteilt wird. Die Ergebnisse aus Eignungs- und Konfliktanalyse werden miteinander aggregiert und stellen das vorläufige Gewerbeflächenpotenzial der Region dar. Da die einzelnen Kriterien digital analysierbar sein müssen, fallen einige wichtige Kriterien zunächst aus der Untersuchung heraus. Nach der Aggregation müssen die ermittelten und bewerteten Flächen daher einer einzelfallbezogenen Plausibilitätsprüfung und einer anschließenden differenzierten Eignungsuntersuchung unterzogen werden. Erstere prüft nicht digitalisierbare Lage- und qualitative Kriterien, letztere analysiert den Flächenbedarf der einzelnen Gemeinden und die siedlungsstrukturellen Auswirkungen der potenziellen Standorte. Durch beide Schritte werden weitere Flächen von der Untersuchung ausgeschlossen und es können abschließend vier Standorte für regional bedeutsame, autobahnaffine Gewerbegebiete in der Region ermittelt werden.

  • Regionales Gewerbeflächenmanagement durch einen Regionalen Gewerbeflächenpool und Gewerbeflächenmonitoring

Die ermittelten Flächen werden auf Basis regionaler Kooperation ausgewiesen und über einen regionalen Gewerbeflächenpool vermarktet und erschlossen. Dafür einigen sich zunächst alle an der Kooperation interessierten Akteure im Rahmen von "Runden Tischen" auf einen genauen Verfahrensablauf, auf ein genaues Regelwerk, das die Zusammenarbeit untereinander organisiert und auf eine Organisationsform, die die Zusammenarbeit rechtlich regelt. Darauf hin werden im Rahmen weiterer diskursiver Prozesse die genauen Anteilsverteilungen der Gemeinden an den Standorten geregelt. Für die Ausweisung werden die Kosten und Gewinne den jeweiligen Anteilen entsprechend aufgeteilt. Erlöse werden durch Flächenverkäufe und Gewerbesteuereinahmen erzielt. Diese Gewinne sind das wichtigste Argument der Kooperation. Sie gewährleisten eine Risikoverteilung der Ausweisung auf die Gemeinschaft. Für die gemeinschaftliche Vermarktung der Standorte wird das regionales Gewerbeflächenmonitoring MOMO eingesetzt. Über die Internetplattform SISMO werden die Flächen mit ihren spezifischen Standorteigenschaften über einen gemeinsamen Datenpool dargestellt. Dieser wird zentral verwaltet und ermöglicht dadurch auch eine gleichzeitiges Bilanzieren und Kontrollieren der regionalen Flächenentwicklung. Über die regelmäßige Aktualisierung der Daten können mit diesem so genannten Controlling Fehlentwicklungen und Veränderungen in der Flächennachfrage festgestellt werden und diesen frühzeitig begegnet werden. Durch eine erfolgreiche Umsetzung über regionales Gewerbeflächenmanagement kann die Gewerbeflächenentwicklung gezielt gesteuert und somit ein Beitrag zu einer nachhaltigeren Flächenentwicklung geleistet werden.

Schlagworte: Regionale Kooperation, Gewerbe, Regionalentwicklung, Flächenmanagement, Potenzialanalyse, Region Karlsruhe

E-Mail: claudia.bierbaum@gmx.de