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Schulte, Melanie (2008) Kommunales Flächenmanagement – Evaluation des Modellprojektes „Flächenmanagement als partizipativer Prozess einer nachhaltigen Stadtentwicklung“ der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.

 

 

 


Titel: Kommunales Flächenmanagement – Evaluation des Modellprojektes „Flächenmanagement als partizipativer Prozess einer nachhaltigen Stadtentwicklung“ der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.

Betreuer: Univ.Prof'in Dr. Sabine Baumgart, Dr. Dirk Drenk (GWP)

Jahr: 2008

E-Mail: melanie.schulte@tu-dortmund.de


Themenfeld: Flächenmanagement und Brachflächenrevitalisierung

Schlagworte: Flächenmanagement, Flächeninanspruchnahme

Kurzfassung: 
Die Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke ist in Deutsch-land in der Vergangenheit durch einen stetigen Anstieg gekennzeichnet. Dabei war zu erkennen, dass sich das Siedlungsflächenwachstum zunehmend vom Wachstum der Bevölkerungs- und Erwerbstätigenzahlen losgelöst hat. Die Ursachen dieses Zuwachses liegen daher vor allem in gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen sowie dem damit einhergegangenen Wohlstandswachstum der vergangenen Jahrzehnte. Die Neuinanspruchnahme erfolgte hauptsächlich im Umland der Städte und Agglomerationsräume auf Kosten der Landwirtschaft. In den 1990er Jahren lag die Flächeninanspruchnahme bei ca. 120 ha am Tag. Anfang des 21. Jahrhunderts ist die Neuinanspruchnahme auf unter 100 ha am Tag gesunken, doch in den letzten Jahren war ein erneuter Anstieg zu verzeichnen. NRW trägt hierbei einen durchschnittlichen Anteil von ungefähr 15 ha. Demzufolge ist die Siedlungsexpansion weit fort geschritten. Diese Entwicklungen bringen erhebliche negative Folgewirkungen mit sich. Einerseits sind die direkten und indirekten ökologischen Auswirkungen wie der Verlust wertvoller Böden, die Beeinträchtigung der Bodenfunktionen oder die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen für Flora und Fauna zu nennen. Andererseits treten nun auch vermehrt sozioökonomische Folgen von dispersen Siedlungsstrukturen auf. Prognosen und Trendrechnungen zeigen auch für die nächsten Jahre bei unveränderten gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen einen weiteren Anstieg voraus, so dass die negativen Auswirkungen sich weiter verstärken werden. Diese Brisanz wird durch den demographischen Wandel in vielen Regionen noch verstärkt. Vor diesem Hintergrund ist eine nachhaltige Entwicklung der nicht vermehrbaren und ersetzbaren Ressource Fläche zunehmend geboten. Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung bekannt und mit der Agenda 21 ein globales Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert auf den Weg gebracht. Anlässlich der Weltsiedlungskonferenz HABITAT II im Jahre 1996 in Istanbul haben sich Deutschland und andere europäische Staaten auf eine nachhaltige Siedlungspolitik verständigt. Der globale Auftrag der Agenda 21 wird dadurch auf die Ebene der Stadt konkretisiert, um geeignete Strategien und Umsetzungsmaßnahmen zu entwickeln, denn die Städte sind die Ebene auf der aktiv Flächenpolitik betrieben wird und somit richtungsweisende Entscheidungen für die Flächenentwicklung getroffen werden. Eine nachhaltige Entwicklung der Flächen bedeutet Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Das Ziel dabei ist, mit Flächen effizient und wirtschaftlich umzugehen, um den Flächen-verbrauch zu reduzieren und den Boden hinsichtlich seiner Funktionen zu schützen. In Anbetracht der diversen negativen Folgen der Siedlungsdispersion gilt eine Reduktion des Flächenverbrauchs seit Jahren als zentrales Ziel einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Die Bundesregierung hat im Jahr 2002 die vom Rat für nachhaltige Entwicklung erarbeitete Nationale Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt. In der Strategie ist die Reduktion der Flächeninanspruchnahme eines der prioritären Handlungsfelder. Ziel der Bundesregierung ist es, die Neuinanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf 30 ha am Tag zu reduzieren. Als Umsetzungsebene wird im Bezug auf die Agenda 21 vor allem die kommunale Ebene hervorgehoben. Das Planen der Flächennutzung gehört zum zentralen Aufgabenbereich einer Kommune. Durch Standortentscheidungen werden langfristige Weichen für die räumliche Entwicklung gelegt. Das Ziel, die Ressource Fläche zu schonen, kann demnach vor allem auf kommunaler Ebene erreicht werden. Zur Umsetzung einer nachhaltigen Flächenentwicklung in die kommunale Praxis sind neue Instrumente nötig. Das kommunale Flächenmanagement ist ein strategisches Instrument zur Steuerung der Siedlungsflächenentwicklung. Strategisches Flächenmanagement im Sinne einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung bedeutet eine bedarfsgerechte Optimierung der Flächennutzung hinsichtlich Menge, Qualität und Lage nach stadtwirtschaftlichen, städtebaulichen, sozialen und ökologischen Kriterien. Flächenmanagement ist daher eine aktive, bedarfsorientierte und strategische Steuerung statt klassischer Angebotsplanung. Eckpunkte eines kommunalen Flächenmanagements sind: die Einbindung und Erhöhung der Verbindlichkeit des Flächenmanagements durch Beschluss des Rates der jeweiligen Stadt, Erstellung einer ausreichenden Datengrundlage zu Entwicklungspunkten der Kommune, Entwicklung nachhaltiger Ziele und Maßnahmen zur Flächenentwicklung durch eine breite Beteiligung aller wichtigen kommunalen Akteursgruppen und eine auf Indikatoren gestützte Kontrolle. Das wichtigste Element eines nachhaltigen Flächenmanagements ist die Umsetzung in Form eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit den Schritten Planen, Umsetzen, Kontrollieren und Weiterentwickeln. Auf diese Weise erfolgt eine schrittweise Verbesserung hin zu einem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Fläche. Die Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. hat vor diesem Hintergrund das Modellprojekt „Flächenmanagement als partizipativer Prozess einer nachhaltigen Stadtentwicklung“ entwickelt und durchgeführt. Finanziert durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW, hat die LAG 21 NRW mit den Kommunen Arnsberg, Bottrop, Minden und Emsdetten eine Basis für ein nachhaltiges Flächenmanagementsystem erarbeitet und in die kommunale Praxis umgesetzt. Das Ziel des Projektes war die kommunale Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung durch die Etablierung eines Managementsystems unter der Beteiligung von Verwaltung, Bürgerschaft und Politik, um langfristig den Flächenverbrauch in den Kommunen zu senken. Die Evaluation des Projektes hat ergeben, dass der Aufbau und die Einführung eines kommunalen Flächenmanagements auf dem Hintergrund von Nachhaltigkeitsgesichtspunkten in den vier Modellkommunen gelungen sind. Das Projekt war insgesamt erfolgreich, Handlungsempfehlungen konnten lediglich einige ent-wickelt werden. Für jede Kommune sind vor dem Hintergrund ihrer Ausgangslage und Ressourcen spezifische Lösungen erarbeitet worden. Ob das Projekt langfristig zu einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme in den Modellkommunen führt, muss in einigen Jahren untersucht werden, da es erst Ende des Jahres 2007 beendet wurde. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass das kommunale Flächenmanagement ein geeignetes Instrument zur langfristigen Reduzierung der Flächeninanspruchnahme darstellt. Zusätzlich ist es von großer Bedeutung, weitere Weichen in Form von Reformen, Intensivierungen von interkommunaler Zusammenarbeit und einer vermehrten Informationspolitik zur Bewusstseinsbildung zu stellen.

/c1urp004/de/lehre/Diplomarbeiten/Poster_der_Dipl_-Arbeiten/Poster_2008/Poster_MelanieSchulteDiplomarbeit.pdf