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Augustini, Christopher (2005) Evaluation kooperativer Wohnungsmarktprozesse in der Region Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahrweiler

 

 

 


Titel: Evaluation kooperativer Wohnungsmarktprozesse in der Region Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahrweiler

Betreuer: Univ.Prof'in Dr. Sabine Baumgart, Dipl.-Ing. Tanja Fleischhauer (VWL)

Jahr: 2005

E-Mail: augustini@gmx.de


Themenfeld: Regionalplanung/ Regionalmanagement/ Interkommunale Kooperation

Schlagworte: --

Kurzfassung: Die Bereitschaft und Fähigkeit regionaler/ kommunaler Akteure, sich mit sich ändernden Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen und sich neu zu organisieren, ist angesichts rapider Wandlungsprozesse zu einer existenziellen Notwendigkeit bei der Sicherung und Entwicklung von Stadtregionen geworden. Es ist vielfach zu beobachten, dass Stadtregionen einem sozio-ökonomischen Strukturwandel unterliegen, der nicht zuletzt auch zu verstärkten interregionalen Verflechtungen und einem ansteigenden Regionalisierungsprozess führt. Zurückzuführen sind diese Tendenzen auf die vermehrte Außenabhängigkeit von Stadtregionen und den damit u.a. verbundenen Wettbewerb um Wohnbevölkerung. Der zunehmende Wettbewerb um Wohnbevölkerung und die damit einhergehende kommunale Standortkonkurrenz sowie Veränderungen aus dem demographischen Wandel haben zur Folge, dass sich Bevölkerungsgewichte aus den Kernstädten vermehrt in das Umland (Suburbanisierung) verlagern. Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt orientieren sich nicht nach kommunalen Grenzen, sondern vermehrt am Wohnungsangebot einer Region. Die Siedlungsentwicklung erfolgt unter diesen Umständen häufig unkoordiniert und führt demzufolge nicht „zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung“ (vgl. Raumordnungsgesetz 1997), wie sie im § 1 Abs. 2 Satz 1 Raumordnungsgesetz gefordert wird. Um die Siedlungsentwicklung einer Region im Sinne der Leitvorstellung der Raumordnung steuernd zu beeinflussen, müssen sich Stadtregionen diesen Entwicklungstendenzen stellen und regionalpolitische Konzepte erarbeiten, um die zukünftigen Aufgaben zielführend bearbeiten zu können.

In der Region Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahrweiler sah man sich aufgrund des Hauptstadtbeschlusses zusätzlich tiefgreifenden strukturellen Veränderungen ausgesetzt. Speziell die „Arbeitsteilung“ bzw. Funktionstrennung zu Hauptstadtzeiten im Bereich des Wohnungsmarktes zwischen der Stadt Bonn als Arbeits- und der Region als vornehmlichem Wohnstandort führte zu der Annahme, dass aufgrund des Hauptstadtbeschlusses in diesem Bereich vielfältige Auswirkungen auftreten würden, die nur in regionaler Übereinkunft zu lösen wären. Aus dem Bewusstsein, gemeinsam betroffen zu sein, wuchs schnell die Bereitschaft, regional zusammenzuarbeiten und Lösungsansätze für die gesamte Region zu entwickeln. Zu Beginn formulierte räumliche Leitbilder verdeutlichten den Akteuren eine gesamtregionale Strategie und sollten dazu beitragen, die Siedlungsentwicklung dezentral und im Sinne der Nachhaltigkeit zu gestalten. Mittels einer freiwillig und informell organisierten regionalen Kooperation wurden eine Vielzahl von Programmen und Projekten im Bereich des Wohnungsmarktes(kooperative Wohnungsmarktstrategien) erarbeitet, um den in den Leitbildern definierten Entwicklungszielen näher zu kommen. Ob sich die regionale Siedlungsentwicklung nunmehr 14 Jahre nach dem Bonn-Berlin-Beschluss entsprechendder räumlichen Entwicklungsziele an eine dezentrale Konzentration und nachhaltige Siedlungsentwicklung entwickelte und welche Stärken und Schwächen die dafür zielführenden kooperativen Wohnungsmarktstrategien aufwiesen, soll mittels der „Evaluation der kooperativen Wohnungsmarktprozesse in der Region Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahrweiler“ untersucht und beurteilt werden.

1. Konnten durch den Kooperationsprozess die von der Region selbst formulierten Entwicklungsziele hinsichtlich einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung erreicht werden?“

2. Welches sind die Stärken bzw. Schwierigkeiten des Kooperationsprozesses im Bereich der regionalen Wohnungsmarktbemühungen? Ist der praktizierte Weg der informell organisierten Kooperation in der Lage, die Wohnungsmarktentwicklung (quantitativ und qualitativ) zu steuern?

 

Aus den zentralen Evaluationsfragen der Arbeit geht hervor, dass die Evaluation als Wirkungs- und Zielerreichungskontrolle komplexe Zusammenhänge und Wirkungen untersuchen muss, die auf verschiedenen Ebenen verortet sind. Aufgrund der bestehenden Komplexität wurde daher ein Untersuchungsdesign gewählt, das mittels verschiedener Methoden (quantitativ undqualitativ) diese Wirkungszusammenhänge aufzuzeigen vermag. Mit einer Daten- und Dokumentenanalyse wurden zunächst die wesentlichen Entwicklungstendenzen des regionalen Wohnungsmarktes hinsichtlich der räumlichen Entwicklungsziele analysiert, wohingegen mit teilstandardisierten Interviews und einer schriftlichen Befragung auf regionaler bzw. Städte- und Gemeindeebene eher die kooperativen Wohnungsmarktstrategien thematisiert wurden. Anhand der Daten- und Dokumentenanalyse konnte eine dispers verlaufende Entwicklung des Wohnungsmarktes in der Region Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahrweiler konstatiert werden. Die Siedlungsdynamik weist starke räumliche Unterschiede auf und verläuft nicht dem Konzept der dezentralen Konzentration folgend im Sinn der Verschiebung der Bevölkerungsgewichte im System der zentralen Orte. Zudem wurde bei einer Analyse von potentiellen Wohnbauflächen der Region mit Hilfe von regional formulierten Kriterien einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung festgestellt, dass eine dem Konzept der nachhaltigen Siedlungsentwicklung verpflichtete Strategie bei der gegenwärtigen kommunalen Wohnbauflächenausweisung in der Praxis nicht genügend (zumindest in quantitativer Hinsicht) verfolgt wurde. Andererseits geht aus den Ergebnissen der teilstandardisierten Interviews und der schriftlichen Befragung hervor, dass aufgrund des regionalen Kooperationsprozesses (und der umgesetzten regionalen Wohnungsmarktstrategien) dennoch ein nicht unbedeutender Beitrag zur Erreichung der Entwicklungsziele geleistet werden konnte, also ohne ihn noch geringere Erfolge zu verzeichnen gewesen wären. Auch wenn die quantitativen Bemühungen der kooperativen Wohnungsmarktstrategien aufgrund der hohen regionalen Siedlungsdynamik nicht in der Lage waren, das „ideale“ Verhältnis einer großräumig nachhaltigen Siedlungsentwicklung zu erreichen (was unrealistisch erscheint), konnten durch sie eine beachtliche Anzahl anqualitativ hochwertigem Wohnungsbau realisiert werden. Die detaillierte konzeptionelle Arbeit im Zuge des Kooperationsprozesses konnte zudem ein erhebliches Maß an Bewusstsein von der Notwendigkeit gemeinsamen Handelns und ein Vertrauen der Akteure untereinander herstellen, die eine tragfähige Fortführung der Zusammenarbeit in regionaler Verantwortung erwarten lassen.

Auch wenn es gegenwärtig im regionalen Kontext möglich ist, sich konfliktreicheren Themen zuzuwenden und vermehrt ein verbindlicheres Planungsvorgehen zu beobachten ist, können mit den etablierten Kooperationsstrukturen nicht immer die regionalen Erfordernisse im Sinne der räumlichen Leitbilder (gegenüber kommunalen Eigeninteressen) erfüllt werden. Es ist unbestritten, dass nachhaltige Siedlungsentwicklung (und die u.a. dafür maßgebliche koordinierte Wohnungsbauflächenausweisung) ein hohes Entwicklungspotential hat, das als positiver Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen untereinander eine erhebliche Bedeutung besitzt. Eine klare Aufgaben- und Verantwortungsverteilung zwischen den Beteiligten ist daher dringend angeraten, um das regionale Budget, das der regionalen Steuerungsebene zur Verfügung steht und nach Auslaufen derAusgleichsmittel aus dem Hauptstadtbeschluss hauptsächlich aus Eigenmitteln besteht, verantwortungsvoll und entsprechend der Entwicklungsziele zu verwalten und die künftig zu behandelnden Themen (bspw. den demographischen Wandel) zweckmäßig bearbeiten zu können. Verbindliche, formelle Regelungen unter Ausnützung des umfangreichen bestehenden Instrumentariums und des entstandenen gegenseitigen Vertrauens können dazu beitragen, eine fest verankerte und dennoch flexible Form der Zusammenarbeit zu erreichen, die den regionalen Erfordernissen und veränderten Rahmenbedingungen des regionalen Handelns besser gerecht wird. Eine solche Regelungsstruktur, die nach dem Motto „Soviel Freiwilligkeit wie möglich und soviel Verbindlichkeit wie nötig!“ funktioniert, wird im Rahmen der Arbeit als Vorschlag unterbreitet.

/c1urp004/de/lehre/Diplomarbeiten/Poster_der_Dipl_-Arbeiten/Poster_2005/ChristopherAugustini2005.pdf