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Biene Verena (2009) Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung im Ennepe-Ruhr-Kreis

 

 

 


Titel: Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung im Ennepe-Ruhr-Kreis

Betreuer: Univ.Prof'in Dr. Sabine Baumgart, Univ.-Profìn Dipl.-Ing. Christa Reicher

E-Mail: Verena-Biene@web.de


Themenfeld: Regionalplanung/ Regionalmanagement/  --Interkommunale Kooperation

Schlagworte: Gewerbeflächenmanagement - Interkommunale Kooperation - Gewerbeflächenentwicklung - Nachhaltigkeit

Kurzfassung: Problemstellung Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung formuliert die Reduzierung der Freiflächeninanspruchnahme auf 30 ha am Tag in der Bundesrepublik bis 2020 als flächenpolitisches Ziel. Der derzeitige Verbrauch von etwa 112 ha ist von dieser Zielvorstellung allerdings weit entfernt. Bezogen auf gewerblich genutzte Bauflächen lässt sich das Wachstum teilweise durch die veränderten Anforderungen der Unternehmen an ihren Standort begründen. Weiterer Grund ist aber auch der immense interkommunale Wettbewerb um Einwohner, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Denn viele Kommunen versuchen ihre Position durch die Ausweisung gewerblicher Bauflächen zu verbessern. Folge ist ein quantitatives Überangebot. Das bringt nicht nur negative Folgen für den Freiraum und die Umwelt mit sich. Denn bei überzogenen Flächenentwicklungen rücken Qualitätsanforderungen bei der Standortwahl zunehmend in den Hintergrund. Folge sind häufig nicht ausgelastete Gewerbegebiete, die eine hohe finanzielle Belastung für die Kommunen darstellen. Eine Forderung zur Lösung dieser Problematik kann allerdings nicht sein, jegliche Wirtschaftsflächenentwicklungen zu unterbinden. Denn verfügbare und nachfragegerechte Gewerbeflächen stellen eine wichtige Basis für die Entwicklung einer Region dar und sind somit unabdingbar für die Versorgung der Bevölkerung mit Arbeitsplätzen. So muss es Ziel einer nachhaltigen Entwicklung sein, die Anforderungen der wirtschaftlichen Entwicklung einer Kommune mit denen des Freiraumschutzes in Einklang zu bringen. Dies soll über eine Doppelstrategie erfolgen, die sowohl eine quantitative Verringerung des Flächenverbrauchs, als auch eine qualitative Verbesserung des Flächenangebotes verfolgt. Fragestellung und Herangehensweise Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine kommunale Betrachtungsweise nicht ausreichend. Die Region wird zur Handlungsebene wenn es darum geht die Gewerbeflächenentwicklung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu steuern. Unter dem Begriff der Handlungsunfähigkeit des Staates wird seit einiger Zeit die zunehmende Bedeutung der Konsensbildung über Kooperation und Partizipation diskutiert. Wie der Weg einer nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung durch den Einsatz kooperativer Ansätze aussehen kann, wird im Rahmen der Diplomarbeit am Beispiel des Ennepe-Ruhr-Kreises aufgezeigt. Die Analyse der räumlichen Struktur sowie der Entwicklungstendenzen im Kreis hat im Wesentlichen die Defizite und Handlungserfordernisse der nationalen Gewerbeflächenentwicklung bestätigt. Die große Bedeutung von Natur und Landschaft als weicher Standortfaktor für den Wirtschafts-, Wohn- und Tourismusstandort, sowie die heterogene Verteilung des Gewerbeflächenbestandes und der -potenziale, sind wichtige Rahmenbedingungen im Kreis. Neben der großen Bedeutung des Natur- und Landschaftsraumes für die Kreisentwicklung ist der Ennepe-Ruhr-Kreis seit der Industrialisierung bedeutender Industriestandort, so sind heute noch fast 40 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe tätig (der Durchschnitt Nordrhein-Westfalens liegt bei etwa 25 %). Eine Gegenüberstellung des Gewerbeflächenbestandes mit dem prognostizierten Gewerbeflächenbedarf hat zum Ergebnis, dass die für die Kreisentwicklung so bedeutenden gewerblich-industrielle Bauflächen mit guten Anschluss an das überregionale Verkehrsnetz und einer Eignung auch für Betriebe des verarbeitenden Gewerbes in dem erforderlichen Maße nicht mehr vorhanden sind. Eine Flächenpotenzialanalyse zeigt für diesen Gewerbeflächentypus die Grenzen und Handlungsspielräume der räumlichen Entwicklung im Kreis auf. Es sind Kriterien formuliert worden anhand dessen kreisweit in einem mehrstufigen Prozess zunächst potenzielle Standorte identifiziert und anschließend hinsichtlich ihres Eignungs- und Konfliktpotenzials bewertet wurden. Diese Ergebnisse stellen eine wichtige Grundlage für eine Flächendiskussion im Kreis dar. Die Analyseergebnisse haben aber auch deutlich gemacht, dass eine Kooperation der kreisangehörigen Kommunen unabdingbar erscheint, wenn die Ziele einer nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung im Kreis erreicht werden sollen. Denn nur durch eine Kooperation in der Gewerbeflächenentwicklung kann einerseits das (sektorale) Flächendefizit nachfragegerecht behoben und andererseits dabei ein größtmöglicher Freiraumschutz gewährleistet werden. Aufbauend aus den Ergebnissen der Potenzialflächenanalyse werden im konzeptionellen Teil räumliche Szenarien für den Kreis entwickelt, die unterschiedliche Kooperationsintensitäten und deren räumliche Konsequenzen abbilden. Diese wurden anschließend hinsichtlich ihres Zielerfüllungsgrades einer nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung untersucht und bewertet. Hier wird deutlich, dass eine zwischengemeindliche Kooperation zunächst auf Kreisebene, später auch darüber hinaus unumgänglich ist, wenn das Nachhaltigkeitsziel erreicht werden soll. Da sich diese Kooperation als Prozess darstellt wird ein Phasenmodell entworfen, das die Einführung eines regionalen Gewerbeflächenmanagements beschreibt. Da dieses zunächst auf Freiwilligkeit beruht, kommt der Vermittlung der Vorteile, die sich durch die Kooperation ergeben, besondere Bedeutung zu. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass alle kreisangehörigen Kommunen sich auf die angestrebte kooperative Strategie einlassen. Die gemeinsame Erarbeitung der Grundlagen und Vereinbarungen in einem Prozess, ist wesentlicher Bestandteil eines regionalen Gewerbeflächenmanagements. Denn kooperative Handlungsformen zielen auf die Mitverantwortung und die Integration der Betroffenen ab. Dennoch kommen auch auf konsensualen Prinzipien basierende Prozesse nicht ohne Hierarchie und Zwang aus. Denn insbesondere im Bereich der Siedlungsflächenentwicklung verzichten Kommunen nur dann auf die Ausweisung neuer Flächen, wenn sie die Gewissheit haben, dass die Nachbarkommunen sich genauso verhalten. An dieser Stelle ist der Einsatz harter Instrumente notwendig. In der entwickelten mehrstufigen Herangehensweise wird dieser Prozess einer nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung im Kreis moderiert und strukturiert. Wobei der situationsspezifische Einsatz konsensualer wie hierarchischer Instrumente wesentlicher Bestandteil ist. Kernelement des Phasenmodells sind vier „Etappenziele“, die jeweils mit Handlungsfeldern verknüpft sind. Dabei ist die kooperative Gewerbeflächenentwicklung bloß ein Baustein der strategischen Regionsbildung. Denn auch in anderen Bereichen, wie der Wohnbaulandentwicklung, der Infrastruktur oder dem Tourismus wird die Zusammenarbeit zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Ziel ist es, die Kooperation in den Kommunen der Region zu etablieren. Denn durch frühzeitige Abstimmung und Kooperation können die negativen Folgen, die durch den wirtschaftlichen Strukturwandel, Schrumpfungs- und Alterungsprozesse sowie die immer geringer werdenden finanziellen Handlungsspielräume der Kommunen entstehen, abgemildert werden.

/c1urp004/de/lehre/Diplomarbeiten/Poster_der_Dipl_-Arbeiten/Poster_2009/Poster_DiplA_Biene_SB2009.pdf