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Hein, Vanessa (2008) Masterplanprozesse im Ruhrgebiet. Welchen Beitrag leisten diese zur kooperativen Planungskultur in der Region?

 

 

 


Titel: Masterplanprozesse im Ruhrgebiet. Welchen Beitrag leisten diese zur kooperativen Planungskultur in der Region?

Betreuer: Dip. Ing. Andreas Stefansky, Dipl. Ing. Achim Prossek (RLP)

Jahr: 2008

E-Mail: vanessa_hein@hotmail.com


Themenfeld: Regionalplanung/ Regionalmanagement/ Interkommunale Kooperation

Schlagworte: Masterplan, Kooperation, Ruhrgebiet, Planungskultur 

Kurzfassung:

 

Der Ausgangspunkt der Diplomarbeit war die Tatsache, dass die kooperative Planung im Ruhrgebiet in den letzten 10-15 Jahren stark zugenommen hat. Seit jeher wird den Akteuren der Region ein Kirchturm- und Konkurrenzdenken vorgeworfen, welches offensichtlich so nicht mehr fortbesteht. Die zahlreich stattfindenden regionalen Planungsprozesse deuten hierauf hin.

 

Besonderes Interesse galt den informellen regionalen Kooperationen, die

auf freiwilligem Zusammenschluss kommunaler und regionaler Akteure beruhen.Im Fokus der Betrachtung stehen Masterplanprozesse, welche gegenwärtig regionaleAnwendung erfahren.

 

Ziel der Arbeit ist es, die vier regionalen Masterplanprozesse, die derzeit im Ruhrgebiet stattfinden, zu untersuchen. Diese sind:

Masterplan Emscher Landschaftspark 2010,

Masterplan Emscher-Zukunft,

Masterplan Ruhr,

Masterplan Raum- und Siedlungsstruktur.

 

Es liegt die Vermutung zugrunde, dass sich im Rahmen dieser Prozesse Effekte auf

die beteiligten Akteure, in dem Sinne ergeben haben, dass ein Wandel der Planungsmentalität stattgefunden hat. Deshalb wurde untersucht, ob die vier Masterplanprozesse eine kooperative Planungskultur erzeugen konnten.

 

Masterplanprozesse sind, ohne dass es eine allgemeingültige Definition gäbe,

informelle kooperative Planungsinstrumente. Im Verlauf der Arbeit wurde untersucht, inwieweit die vier Beispiele die aufgestellten Merkmale kooperativer Planung erfüllen.

Entstehungshintergrund der Masterplanprozesse ist die Planung auf regionaler Ebene. Die regionale Planung im Ruhrgebiet war und ist weiterhin zahlreichen Änderungen unterworfen. Dies betrifft etwa die Organisation der Regionalplanung und ihre Aufgaben. Kritisiert wird, dass das Ruhrgebiet mit der derzeitigen Organisationsstruktur in mehrere Teilräume zerschnitten wird und die Regionalplanung kaum Einfluss auf die Entwicklung der Region hat. Diese wird als „Verhinderungsplanung“ und „Raumnotariat“ charakterisiert, sodass eine Vielzahl von Akteuren versucht, mit ihren eigenen regionalen Planungen die Entwicklung zu beeinflussen. Allerdings haben diese regionalen Planungsprozesse unterschiedliche teilregionale Zuschnitte und verfolgen nicht abgestimmte Planungsziele. Diese Initiativen und Programme, ob staatlich initiiert oder selbstorganisiert, konnten keine kooperative Planungskultur außerhalb des jeweiligen Planungsprozesses hervorrufen.

Die vier untersuchten Masterplanprozesse haben eine regionale bzw. teilregionale Ausrichtung und beziehen eine größere Anzahl und Vielfalt von Akteuren in die Prozesse mit ein. Außerdem basieren sie auf Freiwilligkeit und laufen in einem langjährigen Dialogprozess ab. Deshalb untersuchte die Diplomarbeit, ob die Masterplanprozesse eine kooperative Planungskultur hervorbringen konnten.

Die vier Beispiele sind zunächst einmal sehr unterschiedlich ausgelegt und lassen sich nicht bedingungslos miteinander vergleichen. Dies sollte auch nicht geschehen. Es ging darum zu untersuchen, inwieweit sie die Merkmale kooperativer Planung erfüllen und welche Effekte sie hervorgebracht haben. Die Analyse erfolgte anhand von Experteninterviews mit kommunalen Akteuren und regionalen Institutionen, welche entweder direkt oder indirekt an einem der vier Masterplanprozesse beteiligt sind.

Das Ergebnis der Untersuchung ist sehr differenziert, denn die kooperative Planungskultur konnte sich nicht bei allen vier Masterplanprozessen gleichermaßen entwickeln. Aufgrund ihres unterschiedlichen Verfahrensablaufs und ihrer Rahmenbedingungen (wie z.B. finanzielle Mittel oder politische Beschlüsse) haben sie einen ungleich starken Beitrag zur kooperativen Planungskultur im Ruhrgebiet geleistet. Diese hat sich nur innerhalb des jeweiligen Masterplanprozesses gebildet und überträgt sich nicht auf andere Themenbereiche. Die Beteiligten, welche in einem Prozess miteinander kooperieren, sind nicht zwangsläufig dazu bereit, auch bei anderen Planungsvorhaben zusammenzuarbeiten. Die Bereitschaft zu kooperieren ist stark themen- und problemabhängig, sodass nicht von einer kooperativen Planungskultur, im eigentlichen Sinne, gesprochen werden kann. Festzuhalten ist, dass die vier Masterplanprozesse keine gesamtregionale kooperative Planungskultur im Ruhrgebiet erzeugt haben, sie diese aber bereichert haben, indem immerhin teilregional kooperiert wird.

Die Ergebnisse der konkreten Untersuchung können auch für andere Masterplanprozesse nützlich sein, in der Form, dass hieraus allgemeine Aussagen abgeleitet werden konnten. Eine wichtige Voraussetzung, damit

Masterplanprozesse zu einer kooperativen Planungskultur beitragen, ist in erster Linie die Frage nach dem Träger des Prozesses. Entscheidend ist, welche fachlichen und kommunikativen Kompetenzen dieser besitzt, wie er den Prozess gestaltet, welche Dialoginstrumente er einsetzt und dass er das Vertrauen der Beteiligten gewinnt. Gleichzeitig erfordert kooperative Planung eine aktive Teilnahme aller Beteiligten. Diese erfolgt nur, wenn die beteiligten Akteure Vorteile durch den Masterplanprozess erkennen.

Die dynamischen Entwicklungen der regionalen Planungsprozesse im Ruhrgebiet,wozu insbesondere die Masterplanprozesse zählen, lassen vermuten, dass es in naher Zukunft weitere Veränderungen geben wird. Auch die Tatsache, dass dem Regionalverband Ruhr (RVR) ab dem Jahre 2009 die Regionalplanungskompetenz übertragen werden soll, wird sicherlich viele Veränderungen mit sich bringen. Denn ein Großteil der Ruhrgebietsstädte spricht sich gegen eine solche Lösung aus. Die Diplomarbeit entwirft deshalb zum Abschluss zwei Ausblicke auf die regionale Planungspraxis des Ruhrgebiets im Jahre 2020.

Denkbar ist einerseits, dass die Regionalplanung zukünftig verstärkt kommunal getragen werden wird, da große Unzufriedenheit mit der Organisation der Regionalplanung besteht. Ihr Leitgedanke „Wir machen das selbst“ könnte zu einer Distanzierung vom RVR führen. Dieser bliebe dann nur noch für die „kleinen Kommunen“ verantwortlich.

Andererseits ist es auch möglich, dass die Landesregierung NRW dem weiteren Zuwachs der kommunalen Handlungsautonomie Einhalt gewähren will und sie die verfasste Regionalplanung stärkt. Dies könnte durch Änderungen in betreffenden Gesetzen und der Organisationsstruktur des RVR geschehen. Damit würde der Verband erneut an Einflussmöglichkeiten gewinnen.

Beide Ausblicke auf die regionale Planungspraxis des Ruhrgebiets im Jahre 2020 gehen davon aus, dass sich die kooperative Planungskultur weiter verfestigen wird und Masterpläne auch künftig eine große Bedeutung für die Regionalentwicklung haben werden.

/c1urp004/de/lehre/Diplomarbeiten/Poster_der_Dipl_-Arbeiten/Poster_2008/SahraJan__en-Vanessa-Hein_Poster.pdf