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Kröger, Kai (2007) Ein interkommunaler Gewerbeflächenpool im Bergischen Städtedreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal: Handlungsempfehlungen zur Umsetzung

 

 

 


Titel:  Ein interkommunaler Gewerbeflächenpool im Bergischen Städtedreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal: Handlungsempfehlungen zur Umsetzung

Betreuer: Univ.Prof'in Dr. Sabine Baumgart, Dipl.-Ing. Dirk Drenk (GWP)

Jahr: 2007

E-Mail:  kai.t.kroeger@gmx.de


Themenfeld: Regionalplanung/ Regionalmanagement/ Interkommunale Kooperation

Schlagworte: Gewerbeflächenpool, Interkommunale Kooperation, Gewerbeflächenpolitik, Bergisches Städtedreieck

Kurzfassung:

Herausforderungen in der Gewerbeflächenpolitik

Die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und die damit verbundene Schaffung geeig­neter gewerblicher Bauflächen nehmen für die wirtschaftliche Entwicklung von Kommunen eine wichtige Rolle ein. Die heutige kommunale Gewerbeflächenpolitik steht aber vor neuen Herausforderungen:

  • Bei der Standortsuche betrachten Unternehmen nicht mehr einzelne Kommu­nen, sondern mindestens die regionale Ebene. Im Wettbewerb um Investoren und Arbeitsplätze treten de facto nicht mehr Städte und Gemein­den gegeneinander an, sondern es hat sich ein Wettbewerb der Regionen entwickelt. Kommunen, die als Einzelkämpfer nur ihre eigene Gemarkungs­fläche im Blick haben, haben Schwierigkeiten, in diesem Wettbewerb zu be­stehen.
  • Die Standortanforderungen der Unternehmen an gewerbliche Bauflächen sind gestiegen: eingeschossige, großflächige Produktions- oder Arbeitswei­sen im verarbeitenden Gewerbe und in der Logistik erfordern eine ebene Topographie der gewerblichen Bauflächen. Eine gute Verkehrsanbindung, vor allem die schnelle Erreichbarkeit einer Autobahn oder leistungsfähigen Bundesstraße, ist zum Pflichtfaktor geworden.

Städte und Gemeinden stoßen zunehmend an ihre Entwicklungsgrenzen: durch dichte

  • Siedlungsstruktur, schwierige Topographie, durch konkurrie­rende Raumnutzungen oder auch durch Restriktionen übergeordneter Pla­nungsebenen sind die Potentiale für Gewerbeflächen in manchen Regionen eng begrenzt. Viele Gewerbegebiete sind an Standorten entwickelt worden, die die aktuellen Anforderungen potentieller Nutzer nicht erfüllen oder die ökologisch wertvolle Flächen in Anspruch nehmen.
  •  Städte und Gemeinden, gerade kleinere oder aber solche mit angespannter Haushaltslage, stoßen auch in finanzieller Hinsicht an ihre Grenzen: Eine nachfragegerechte Entwicklung, Verwaltung und Vermarktung von Gewer­beflächen scheitert vielerorts auch an den personellen und finanziellen Res­sourcen.

 

Die geschilderten Herausforderungen zeigen, dass einzelne Kommunen einen zu kleinen Maßstab bilden, um auf die heutigen Herausforderungen der Gewerbe­flächenpolitik reagieren zu können.

Lösungspotential bieten daher vor allem solche Vorschläge, die bei der Zusammen­arbeit von Kommunen ansetzen. Interkommunale Kooperation ist dabei kein neues Konzept, sondern wird seit Jahrzehnten praktiziert, etwa in Einrichtungen der kom­munalen Infrastruktur oder auch in Form von interkommunalen Gewerbegebieten in der (inter-) kommunalen Gewerbeflächenpolitik.

Bei der Suche nach einer strategischen, umfassenden Antwort auf die oben ge­schilderten Herausforderungen stellt man jedoch fest, dass interkommunale Gewer­begebiete nur Einzelfalllösungen darstellen, die im jeweiligen Anwendungsfall ihre Berechtigung haben, aber keine langfristige Perspektive bieten: sie greifen durch ihre Beschränkung auf ein einzelnes, separat stehendes Gewerbegebiet zu kurz.

Chancen durch den Ansatz „Interkommunaler Gewerbeflächenpool“

Relativ neu und erst in wenigen Fällen zur Anwendung gekommen ist dagegen der Ansatz interkommunaler Gewerbeflächenpools. In einem solchen Pool gehen meh­rere Kommunen eine strategische Partnerschaft ein und nehmen ihre Gewerbe­flächenpolitik als Region gemeinsam in die Hand. Vorhandene und geplante Ge­

Ge­werbeflächen werden von den Kommunen in den Pool eingebracht. Nicht mehr die einzelne Kommune, sondern der Pool als gemeinsame, regionale Instanz übernimmt nun Entwicklung, Verwaltung und Vermarktung der Flächen. Dabei stechen mehrere Pluspunkte hervor:

 

  • Die Außenwahrnehmung der Region steigt, da sich nicht mehr viele Einzel­kommunen mit relativ geringen oder zersplitterten Flächenangeboten prä­sentieren, sondern eine gemeinsame Region mit einem großen, übergrei­fenden Angebot.
  •  Das regionale Gewerbeflächenangebot besteht aus einem breiten Portfolio ver­schiedener Flächen und kann so eine Vielzahl unterschiedlicher Nachfra­gen bedienen.
  • Die Nachfrage wird auf solche Flächen gelenkt, die wirklich geeignete Stand­orte sind. Die Standortanforderungen der Unternehmen und die Eignung der Fläche bestimmen die Entwicklung, nicht die Stadtgrenze. „Notlösungen“, die kaum den Anforderungen entsprechen und/oder ökologisch bedenklich sind und nur mangels besserer Alternativen innerhalb der eigenen kommunalen Grenzen ausgewiesen wurden, werden nicht mehr entwickelt.
  • Auf diese Weise kann auch der Flächenverbrauch gesenkt oder auf geeig­nete Standorte gelenkt werden. Ein interkommunaler Gewerbeflächenpool versucht also, die scheinbaren Gegensätze der ökonomischen Fortent­wicklung und der Wahrung ökologischer Belange einer Region zu verbinden und dabei für die Kommunen Synergien zu nutzen, die sich im „Einzel­kämpferstatus“ nicht bieten.

 

Dabei ist es wichtig, einen interkommunalen Gewerbeflächenpool nicht nur als „Vermarktungsgemeinschaft“ auszulegen (wenngleich dies ein erster Schritt sein kann), sondern als umfassende „Risikogemeinschaft“.

In diese Risikogemeinschaft bringen die Kommunen ihre freien oder geplanten Ge­werbeflächen oder auch reine Geldeinträge ein. So definieren sie über den mone­tären Wert der Flächen bzw. den Geldeintrag ihren Anteil, über den das Gewerbe­steueraufkommen auf Poolflächen und die Erlöse aus Flächenverkäufen wieder an den Pool fließen. Auf diese Weise wird es möglich,

 

  • dass die beteiligten Kommunen über Struktureffekte wie Arbeitsplätze hinaus auch unmittelbar fiskalisch von Ansiedlungen auf Poolflächen profitieren und keine Notwendigkeit mehr besteht, sich an intraregionalen administrativen Grenzen zu orientieren,
  • das Risiko von Flächenverkäufen und schwankenden Gewerbesteuerein­nahmen von jeder einzelnen Kommune auf mehrere Schultern der Region zu verteilen,
  • Flächen nach ökonomischen und ökologischen Kriterien zu bewerten und so ökologische Folgen bestimmter Gewerbeflächen oder die Vermarktung er­schwerende Faktoren zu berücksichtigen und die Entwicklung verträglicher und marktfähiger Standorte zu forcieren.

 

Das Bergische Städtedreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal

Praxisnähe zu einem real existierenden Raum ist ein Grundanliegen dieser Diplom­arbeit. Deshalb bezieht sie sich nach Erarbeitung von Theorie und Grundlagen auf eine konkrete Region: das Bergische Städtedreieck in Nordrhein-Westfalen.

Remscheid, Solingen und Wuppertal befinden sich in vergleichbaren Ausgangs­lagen, sowohl in räumlicher als auch in organisatorischer Hinsicht.

Alle drei Städte sind geprägt

  • durch ihre frühindustrielle Vergangenheit, die sich heute über Gemenge­lagen und kleinteiligen Brachflächen bemerkbar macht,
  • durch eine Topographie, die wegen des ständigen Wechsels von Tälern und Höhenrücken ebene Flächen zu einem raren Gut macht und
  • durch eine im Landesvergleich hohe Bevölkerungsdichte, die sich aber we­gen der kleinteilig-polyzentrischen Siedlungsstruktur nicht auf wenige Sied­lungsschwerpunkte konzentriert, sondern über das gesamte Städtedreieck verteilt.

 

Das Potential für die Neuentwicklung von Gewerbegebieten ist im Bergischen Städtedreieck durch

diese Faktoren begrenzt. Hier kann ein interkommunaler Ge­werbeflächenpool ansetzen, um die vorhandenen Möglichkeiten der Gewerbe­flächenpolitik im Städtedreieck über eine gemeinsame, regionale Lösung bestmög­lich zu nutzen.

Auch in organisatorischer Hinsicht gibt es günstige Voraussetzungen und Anknüp­fungspunkte für einen interkommunalen Gewerbeflächenpool:

 

  •  Alle drei Städte sind kreisfreie Großstädte mit jeweils über 100.000 Einwoh­nern, so dass eine Kooperation auf Augenhöhe möglich ist. In Regionen, die aus einer großen Stadt und deutlich kleineren Umlandgemeinden bestehen, dürfte es schwerer fallen, jede Kommune im Kooperationsprozess als gleichberechtigten Partner zu betrachten.
  • Die derzeitigen Akteursstrukturen in der Gewerbeflächenpolitik, der Verwal­tungsaufbau und auch die verfolgten gewerbeflächenpolitischen Leitlinien der Städte sind miteinander vergleichbar und unterscheiden sich nicht so stark, dass die Unterschiede Hürden für eine Kooperation darstellen würden.

 

Durch die bestehende, die Entwicklung der Städte auch strategisch betref­fende Kooperation, die mit einem gemeinsamen Regionalen Entwicklungs­konzept in den 1990er Jahren begann und zuletzt über die erfolgreiche Re­gionale 2006 einen entscheidenden Schub erfuhr, bietet sich für einen inter­kommunalen Gewerbeflächenpool eine Grundlage, auf der er aufbauen kann. Unter der Dachmarke „kompetenzhoch³“ zeigt die Region bereits An­sätze eines gemeinsamen Standort- und Gewerbeflächenmarketings, etwa mit einem gemeinsamen Stand auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real. Durch das Auslaufen der Regionale 2006 und die Frage, wie eine regi­onale Bewerbung um EU-Ziel 2-Mittel für den neuen Förderzeitraum 2007 bis 2013 erfolgen kann, ist eine Diskussion um eine Fortsetzung der strate­gischen Kooperation entstanden und die Gründung einer regionalen Ent­wicklungsgesellschaft vorgeschlagen worden. An diese Stufe kann sowohl inhaltlich-thematisch (Ausweitung der Kooperation auf die Gewerbeflächen­politik) als auch organisatorisch (Umsetzung eines Gewerbeflächenpools als Projekt der Entwicklungsgesellschaft)

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