Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

Marciniak, Jessica (2006) Wohnen an der Schiene - Eine Arbeitshilfe für die Stadtplanung

 

 

 


Titel:  Wohnen an der Schiene - Eine Arbeitshilfe für die Stadtplanung

Betreuer: Univ.-Prof’in Dr.-Ing. Sabine Baumgart, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher (STB)

Jahr: 2006

E-Mail: jessica.marciniak@web.de


Themenfeld: Sonstige

Schlagworte: Bahnflächenentwicklung, Lärmschutz, Planung von Wohnbebauung

Kurzfassung: Die Siedlungsentwicklung entlang von starken Verkehrsachsen auszurichten ist ein Ziel der Bundesregierung und in Zeiten von suburbanen  Zersiedelungsprozessen und Knappheit von günstigem Bauland, wie vor allem in zentralen Lagen Nordrhein-Westfalens, absolut notwendig. Dazu gehört auch die Entwicklung von für die Bahn entbehrlich gewordenen Flächen an Schienenwegen und Schienenhaltepunkten, die im städtebaulichen Gefüge oft bereits optimal eingebunden und erschlossen sind. Allein in NRW existiert mit rund 20.000 ha entbehrlicher Bahnfläche ein enormes Flächenpotenzial, das derzeit im Auftrag der DB AG über die DB Services Immobilien sowie von Tochterunternehmen, wie der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW mbH, entwickelt und vorrangig an Kommunen vermarktet werden soll.

Auch das Land NRW unterstützt diese Entwicklung durch die Bereitstellung von Fördergeldern mit dem Ziel, im Sinne der Agenda 21 den Landschaftsverbrauch zu reduzieren und stärkt die Kommunen somit darin, die oft durch Restriktionen finanziell und zeitlich schwer zu reaktivierenden Bahnflächen zu entwickeln. Gefördert werden soll dabei vor allem die Entwicklung von Wohnbauland in der Nähe von Schienenhaltepunkten, um zum einen, die oft verkehrsgünstig optimal gelegenen Standorte ressourcensparend neu nutzen zu können und zum anderen, im Sinne des Ziels der Verkehrsverlagerung vom Motorisierten Individualverkehr auf den Öffentlichen Personennahverkehr, das Angebot an siedlungsstrukturell geeigneten Standorten zu verbessern und diese damit aufzuwerten. Unter anderem hat eine Untersuchung des Städtebauministeriums Nordrhein-Westfalen diesbezüglich belegt, dass Menschen, die im Einzugsbereich von Schienenverkehrshalte­punkten leben, diese auch stärker nutzen.

Akzeptanz findet die Realisierung von Wohnbauland an Schienenwegen bei Kommunen, Wohnungsunternehmen, Investoren und Privaten jedoch bisher wenig. Grund für die Abschreckung ist unter anderem der durch den Schienenverkehr hervorgerufene Verkehrs­lärm, die so genannte „ökologische Achillesverse“ der Eisenbahn und die dadurch oft not­wendig werdenden Lärmschutzmaßnahmen und deren hohe Kosten, aber auch deren städtebaulich negatives Bild. Problematischer ist diese Thematik noch in Umland Kommunen, da diese noch weniger Fachpersonal haben, das sich mit der Lärmschutz­planung beschäftigen kann. Zudem stehen sie in der Förderung des Landes eher hinten an, weshalb die Durchsetzung von Wohnen an der Schiene trotz der verkehrlichen Gunst dort noch weniger Akzeptanz findet. Jedoch finden sich grade hier besonders viele entbehrlich gewordene Bahnflächen, die optimal für die Ausweisung von Wohnbauland genutzt werden könnten.

Ziel dieser Arbeit ist, aufgrund dessen vor allem bei Kommunen und Investoren die Akzeptanz zu stärken, Wohnbebauung an Schienenwegen und vor allem Schienenhalte­punkten zu errichten. Aufgrund der besonderen Problematik werden die Ansatzpunkte dazu in einer schnellen und einfachen Ersteinschätzung der Schienenverkehrsbelastung und der Information über die Bandbreite an Lärmschutzmöglichkeiten gesehen. Zielgruppe sind im Wesentlichen alle, die sich mit der Planung eines Wohngebietes an der Schiene beschäftigen, vor allem aber Kommunen und Investoren, die ein konkretes Plangebiet ausweisen oder bebauen wollen.

Methodisch wurden dazu in einem theoretischen Teil zunächst die Vor- und Nachteile von Siedlungsentwicklungen an der Schiene sowie die Potenziale und Risiken der Entwicklung von Bahnflächen erarbeitet. Im weiteren theoretischen Teil wurden der Lärmschutz im Städtebau und die Möglichkeiten der Lärmminderung aus der Literatur sowie Fallbeispielen in der Praxis erarbeitet. Die Analyse ergab im Wesentlichen, dass neben klassischen aktiven Lärmschutzmaßnahmen in Form von Lärmschutzwänden und –wällen sowie passiven Maßnahmen am Gebäude selber, auch finanziell günstigere und städtebaulich anspre­chende Lösungen, wie eine geschickte Wahl der Gebäudeanordnung und der Grundriss­gestaltung dem Verkehrslärm entgegenwirken können. Aus der Analyse ergaben sich Krite­rien, die die einzelnen Lärmschutzmaßnahmen beschreiben oder die von einem Plangebiet erfordert werden.

Im praktischen Teil der Arbeit wurden diese Ergebnisse zur Erstellung einer Systematik verwendet, die dazu beiträgt, im Sinne einer Arbeitshilfe für die Stadtplanung, Lärmbelastungen einzuschätzen und, abhängig von der Planungssituation, Ratschläge für geeignete Bebauungsformen und Lärmschutzmöglichkeiten zu geben. Grundlage für die Ermittlung der Schienenverkehrsbelastung waren die aktuellen Rechtsgrundlagen zur Lärmschutzthematik wie das Bundesimmissionsschutzgesetz und die Verkehrslärmschutz­verordnung, Richtlinien wie die Schall 03 und die DIN 18005 zum Schallschutz im Städtebau sowie eine Untersuchung des Umweltbundesamtes. Das Umweltbundesamt hat in den Jahren 1988 bis 2002 an zahlreichen Beispielstandorten in Deutschland Geräuschemissionen von Eisenbahnen gemessen und 2003 in Form eines Ergebnisberichtes herausgebracht. Hierin wurden auch erstmals die Auswirkungen verschiedener Schleifzustände der Schienen auf die Lärmentwicklung untersucht, was in der Schall 03 bisher nicht in dem Maße berück­sichtigt wird.

Ergebnis der Arbeit stellt letztendlich eine Art Checkliste dar, in der alle notwendigen Daten zum Plangebiet und den Planungsvorstellungen abgefragt werden. Durch die Verar­beitung der Daten wird dem Nutzer im Endeffekt ein vom Schienenverkehr ausgehender Lärmpegel angezeigt und auf der Grundlage, der aus der Literatur erarbeiteten Kriterien, Lärmschutzbausteine empfohlen, die seinen Planungsvorstellungen entsprechen. Diese bestehen aus Vorschlägen zur Gebäudeform- und -stellung sowie der Kombination mit klassischen aktiven und passiven Lärmschutzmaßnahmen und werden illustriert durch weitere Fallbeispiele zum Nachlesen und als Anregung der jeweiligen Planungssituation vorgestellt.

Es wird vor allem die Erstellung des Systems beschrieben und die bisherige Sammlung an Fallbeispielen vorgestellt. Weitere Vorgehensweise wäre daher zum einen die Programmierung der Systematik und die Planung der Bereitstellung der Ergebnisse zur Ersteinschätzung von Planungssituationen an Lärmquellen wie dem Schienenverkehr. Das wäre beispielsweise in Form einer Broschüre mit CD, die an Kommunen und sonstige Interessierte verteilt wird, oder die öffentliche Bereitstellung über eine Internetseite möglich. Des Weiteren ist die Systematik als aufbaufähige Grundlage konzipiert und könnte durch die Einbeziehung weiterer Lärmquellen, wie dem Straßenverkehrs- und Gewerbe­lärm, ergänzt werden. Diese sind bisher nicht berücksichtigt worden, da sich die Arbeit auf Plangebiete an der Schiene beschränkt und die Lärmminderung gegenüber der stärksten Lärmquelle vorrangig und effektiv ist. Die Einbeziehung weiterer Lärmquellen im Sinne einer Gesamtlärmbetrachtung würde weitere Lärmermittlungsverfahren und entsprechend spezifizierte Lärmschutzmaßnahmen erfordern, aber wäre mit Sicherheit eine sinnvolle Ergänzung des Systems. Letztendlich könnte die Sammlung an Fallbeispielen, die gute Lärmschutzplanungen beinhalten und zum Teil bereits im Anhang aufgeführt sind, auf einer öffentlichen Plattform fortgeführt werden, so dass für die Planung von Wohngebieten an Lärmquellen eine gewisse Bandbreite an Bebauungs- und Lärmschutzanregungen zur Verfügung steht.

 

/c1urp004/de/lehre/Diplomarbeiten/Poster_der_Dipl_-Arbeiten/Poster_2006/Marciniak-Jessica-sb2006.pdf