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Panek, Kerstin (2015) Gesundheitsorientierte Lebensmittelnahversorgung in sozial benachteiligten Quartieren

Titel:  Gesundheitsorientierte Lebensmittelnahversorgung in sozial benachteiligten Quartieren – Eine Handlungsempfehlung für das Quartier Innere Hustadt in Bochum

          

Prüfer: Dr.-Ing. A.Rüdiger (SRP), Dr. A.Szypulski (Stadt- und Regionalsoziologie)

 

E-Mail: kerstin.panek@tu-dortmund.de

 

Themenfeld:   Gesundheitsförderung und Stadtentwicklung

 

Schlagworte: Gesundheit, Lebensmittelnahversorgung, soziale Benachteiligung, Handlungsempfehlung

 

Kurzbeschreibung:

Mit der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung von der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 1986 wurde auf den Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Faktoren und gesundheitsgefährdenden Lebensbedingungen aufmerksam gemacht. Soziale Benachteiligung führt demnach nachweislich zu einem erhöhten Krankheitsaufkommen. Die Risikogruppe der sozial schwächer gestellten Bevölkerung konzentriert sich zudem oft in benachteiligten Gebieten und ist vermehrt Gesundheitsrisiken ausgesetzt. In dem auf sozial benachteiligte Quartiere spezialisierten Städtebauförderungsprogramm Soziale-Stadt hat das Thema der Gesundheit bislang jedoch eine untergeordnete Rolle gespielt. Dabei besteht insbesondere in solchen Gebieten das größte Aufbereitungspotential, da hier die schlechtesten Rahmenbedingungen vorherrschen.

Das Bedürfnis nach Lebensmittelversorgern für den kurzfristigen Bedarf bietet einen geeigneten Raum, gesundheitsfördernde Maßnahmen gezielt in den Alltag einzubauen. Das engere Wohnumfeld und die dort stattfindende Nahversorgung mit Lebensmitteln sind ein Setting, in dem der Mensch sein Gesundheitsverhalten wesentlich beeinflusst und gestaltet.

Das Ziel der Masterarbeit besteht darin, Möglichkeiten der Gesundheitsförderung im Lebensmittelnahversorgungsbereich in dem Setting benachteiligter Quartiere herauszuarbeiten und mit Hilfe der Untersuchung bisheriger Tätigkeiten in diesem Bereich sowie der Analyse eines Beispielquartieres, einen Maßnahmenkatalog speziell für dieses Quartier zu entwickeln.

Die drei Hauptthemenblöcke Gesundheit, Lebensmittelnahversorgung und soziale Benachteiligung erhalten unabhängig voneinander bereits in vielerlei Hinsicht in der Raumplanung Beachtung. Anhand deren Grundlagen entstand die bisher nicht vorhandene Definition einer GLsbQ (Gesundheitsorientierten Lebensmittelnahversorgung in sozial benachteiligten Quartieren), die die Synergien zwischen Gesundheit, Lebensmittelnahversorgung und sozialer Benachteiligung als eigenständiges Handlungsfeld bestimmt.

Im Theorieteil, der sich mit der bisherigen Planungspraxis beschäftigte, wurde festgestellt, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit diesem Thema in direktem Sinn bislang weder in NRW noch darüber hinaus stattgefunden hat. Jedoch konnten Ansätze herausgefiltert werden, die das Thema vielmehr unbewusst, versteckt oder anderen Bereichen untergeordnet behandelten, was zu einem Verwerfen der Hypothese führte. Die bestehenden Ansätze aus der Praxis wurden den Ansprüchen einer GLsbQ entsprechend angepasst, um eine Maßnahmensammlung zu erstellen, die diesem neuen Handlungsfeld gerecht wird.

Die Vielseitigkeit der herausgearbeiteten Maßnahmen macht deutlich, dass eine GLsbQ weit über die herkömmliche Lebensmittelnahversorgung hinaus reicht und gleichzeitig eine große Chance birgt, im Alltag eine gesunde Lebensweise für Groß und Klein und für Jung und Alt zu ermöglichen. Sie entfaltet dann ihre Wirkung, wenn in vielen, auf den ersten Blick voneinander unabhängigen, Bereichen gehandelt wird. Im Zusammenhang führen sie nachhaltig zu einem besseren Gesundheitszustand der in sozial benachteiligten Quartieren lebenden Bevölkerung und somit zu einer Steigerung der Lebensqualität.

Der empirische Teil widmet sich dem Beispielquartier der Inneren Hustadt aus Bochum. Auf dieses Quartier werden die in der Theorie gesammelten Erkenntnisse angewendet und überprüft, ob und wie diese praxisnah ihre Wirkung entfalten. Die Innere Hustadt war 2009 bis 2010 Teilnehmer am Städtebauförderungsprogramm Soziale-Stadt. Auf die Analyse aufbauend erfolgt die Erarbeitung einer Maßnahmenempfehlung für die Innere Hustadt. Die Empfehlung greift auf die in der Theorie erstellte Maßnahmensammlung zurück. Die finale Handlungsempfehlung für das Quartier umfasst auf Grund der Vielfalt des Maßnahmenkatalogs letztendlich 13 Maßnahmen. Die praxisnahe Anwendung des Katalogs zeigt, dass er dazu geeignet ist, mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen für unterschiedliche Bereiche, den komplexen Problemlagen und Handlungsfeldern sozial benachteiligter Quartiere gerecht zu werden. Dadurch erweist sich der Katalog durchaus als vielfältig kompatibel und anwendungstauglich für die Praxis.

Es wurde jedoch deutlich, dass eine gesundheitsorientierte Lebensmittelnahversorgung nicht allein durch das sozial benachteiligte Quartier selber zu erreichen ist, sondern, dass es die Unterstützung von vielen Akteuren benötigt, um dieses innovative Handlungsfeld zu bearbeiten. Die feste und dauerhafte Einbettung des Themas in die querschnittsorientierte Institution der Raumplanung, und insbesondere in das Förderprogramm Soziale-Stadt, bietet gerade unter diesen Aspekten viele Vorteile. Nichtsdestotrotz ist das Erreichen einer GLsbQ nicht ausschließlich innerhalb solcher Förderungsprogramme möglich bzw. notwendig, da der erstellte Maßnahmenkatalog auch darüber hinaus und völlig unabhängig davon angewendet werden kann.

Entsprechend des demografischen Wandels und der weiter auseinander gehenden Schere zwischen den Bevölkerungsschichten wird die Notwendigkeit gesunder Lebensbedingungen in diesen Quartieren zukünftig an Bedeutung gewinnen. Es bedarf somit einer bewussten Auseinandersetzung und ein Erkennen des Handlungsbedarfes in dem Bereich einer GLsbQ, die einen Schritt aus dem Negativ-Kreislauf in diesen Quartieren ermöglicht.

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